VÖK (BREMEN)

Tatort: Tower, Bremen

Zeitpunkt: 08. März 2018

Auf den heutigen Abend habe ich mich schon eine Weile gefreut, war aber gleichermaßen gespannt. Denn isländische Künstler verbreiten meiner Erfahrung nach immer eine besondere Stimmung, die sich schwer in Worte fassen lässt. Ich versuche es dennoch.

Nach dem äußerst interessanten Gespräch mit Frontfrau Margét am Nachmittag, schlendere ich Stunden später wieder in den Bremer Tower. VÖK spielten im letzten Sommer bereits bei der Breminale und es scheint, dass sie neugierig auf mehr machen konnten. Denn kurz vor Beginn des Supports, ist der kleine Veranstaltungsort schon gut gefühlt.

Wir starten auch direkt skandinavisch: Der Schwede Mountain Bird arbeitet an einem Tisch, der vollgestellt ist mit Technik. Ein paar Regler hier, ein Paukenschlag auf die Drum Maschine dort: Es ist faszinierend, wie aus ganz viel blickenden Geräten Musik entstehen kann. Als gesangliche Unterstützung hat sich Mountain Bird eine zierliche Dame namens Amanda Mair mit auf Tour genommen. Ihre Stimme ist kraft- und dennoch gefühlvoll, die Songs sind eigentlich recht poppig, aber dann doch wieder sphärisch. Somit könnte die Einstimmung auf VÖK nicht passender sein.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mit einerseits das ‚Fix You‘-Cover von Coldplay, das eine wirklich interessante Neuinterpretation ist. Und dann ganz am Ende konnte mich ein Remix von Mando Diao’s ‚Break Us‘ sogar richtig emotional werden lassen. Der Song soll laut Mountain Bird im Herbst veröffentlicht werden, da werde ich ein Auge drauf haben.

Während die Bühne für VÖK vorbereitet wird, scanne ich den Raum bzw. die Besucher ab. Ich konnte mir vorab nämlich nicht vorstellen, welche Zielgruppe die jungen Isländer anspricht. Und es gibt gar keine feste Gruppierung. Menschen zwischen 20 und 60, Hipster, Rocker, Hippies, ich sehe die unterschiedlichsten Typen und finde es ganz wunderbar, dass wir alle an diesem verregneten Donnerstabend hier zusammen gefunden haben.

Plötzlich ertönt ein unangenehmes Dröhnen, das wohl den Beginn des Konzerts ankündigen soll. Wie dunkle Sirenen klingt es und ich bin erleichtert, als VÖK die Bühne erklommen haben und das Geräusch verstummt. Eins wurde zumindest erreicht: Der Band gehört nun die volle Aufmerksamkeit, jedes Gespräch ist verstummt. Ab dem Moment, in dem Margrét mit dem Gesang zu ‚Breaking Bones‘ beginnt, bin ich wie gefesselt. Von der Musik VÖK’s geht so ein starker Sog aus, dass ich zunächst nur starre und staune.

Wie eingangs erwähnt, ist es wirklich schwer, diese Stimmung zu beschreiben. In der ersten halben Stunde werden die poppigeren, tanzbareren Songs gespielt und ich sehe einige tanzende Zuschauer. Ein wenig wie in einem Trance-Club pumpt der Bass und die klare helle Stimme von Margrét trägt dich durch die Nacht. Ich bemerke erst viel später, wie mein Körper zum Takt wippt, wie ich fasziniert die Musiker bei ihrem Spiel beobachte. Das Schlagzeug beispielsweise hat keine Bass Drum, eine Fußmaschine ist aber da. Und wann immer diese getreten wird, erklingt auch der typische Sound einer Bass Drum. Ganz links außen wirbelt Andri herum: Mal dreht er an Reglern, dann spielt er sein Saxophon. Am besten gefallen mir aber die Momente, in denen er selbst inbrünstig die Texte mitsingt und manchmal treffen sich Margrét’s und sein Blick und dann kann ich den beiden Musikern ansehen, wie sehr sie ihren Job lieben.

Die sphärische Stimmung erreicht ihren Höhepunkt immer dann, wenn die isländischen Texte gesungen werden. Und hier muss ich ‚Við Vökum‘ hervorheben. Er vereint alle Elemente, die ich an isländischer Musik so liebe: Mystik, Melancholie und ich merke, wie ich den Alltag für eine Zeit komplett hinter mir lassen kann. Gleichzeitig leitet ‚Við Vökum‘ auch den düsteren Teil der Setlist ein. Ich bin erstaunt, wie viel härter und fast rockiger VÖK klingen, als auf dem Album. Besonders die älteren Songs aus den früheren EP’s krachen ordentlich. Obwohl mir Margrét im Interview wenige Stunden zuvor noch erklärte, dass es keine Headbanger auf ihren Konzerten gibt, so kann ich zumindest wildes Haar-Geschüttel und wippende Hände in der Luft entdecken. Der Tower ist erobert, so viel steht fest. Ich sehe nur sich in Trance bewegende Körper, es ist magisch.

Am nächsten Morgen konnte ich die Frage, wie der Abend war, kaum in Worte fassen. Und auch heute fällt es mir schwer. Ich kann nur jedem raten, VÖK live zu erleben, wenn sie in der Nähe sind. Mich haben sie schwer beeindruckt und Margrét’s bezaubernder Gesang hallt noch immer in meinem Kopf nach. Þakka þér fyrir!!

Setlist:

Breaking Bones
BTO
Waiting
Figure
Polar
Show Me
Við Vökum
If I Was
Don’t Let Me Go
Tension
Circles
Night And Day
Floating
Waterfall
Ég bið þín
Before