To Kill A King – The Spiritual Dark Age

2018 beginnt musikalisch gesehen mit einer Veröffentlichung, auf die ich mich schon lange gefreut habe. Eine Band, die mir in den letzten Jahren sehr ans Herz gewachsen ist, bringt mit ‘The Spiritual Dark Age’ ihr mittlerweile drittes Studioalbum heraus. Und dass es dazu überhaupt kam, verdankt To Kill A King zu großen Teilen seiner treuen Fangemeinde. Eine finanziell schwere Zeit liegt nämlich hinter dem Quintett. Um ihr Album aufnehmen zu können, starten die Engländer eine Petition: Wer der Band mit finanziellen Mitteln aushilft, bekommt im Gegenzug Zugang zu exklusiven Aufnahmen, regelmäßigen Q&A-Sessions bis hin zu persönlichen Videoanrufen zum Geburtstag. Und natürlich wird jeder noble Spender namentlich im neuen Album-Booklet erscheinen. Wer jetzt Interesse bekommen hat, kann sich die gesamte Aktion hier anschauen und registrieren: https://www.patreon.com/tokillaking Denn nach wie vor kann man To Kill A King dort unterstützen; nach dem Album ist vor dem Album sozusagen.

Nun aber zum Ergebnis: Als ich die ersten Male das Album durchhörte, blieben mir sofort einige Melodien im Kopf. Es war so toll arrangiert und hatte hier und da völlig neue Effekte im Sound, die meine Aufmerksamkeit zunächst total auf sich richteten. Zum Beispiel das Drum Board bei ‘No More Love Songs’, was To Kill A King poppiger klingen lässt, als jemals zuvor und ich liebe das total. Seit Bassisit James Ball die Saiten zupft, ist auch der hohe Backgroundgesang mehr geworden. Wie gut, wenn der Neuzugang auch noch so ein guter Sänger ist. Als großer Sympathisant der Band Kasabian komme ich nicht drumherum, ‘I Used To Work Here, Perhaps You Did Too?’ zu erwähnen, denn auch diesen Song hätte ich von To Kill A King niemals erwartet und ich feiere ihn so sehr; bei jedem Hören muss ich grinsen und lustig mit dem Kopf wackeln. Der Hintergrundgesang und dieser stampfende Takt hätte 1:1 aus der Kasabian-Ecke kommen können, wäre da nicht der markante Gesang von Ralph Pelleymounter. Und dieser ist ein gutes Stichwort, wenn es um die Texte geht. Erst als sich die erste Euphorie über neuen Töne gelegt hat, konnte ich mich auf das gesungene Wort konzentrieren und da schafft es Texter Ralph mal wieder, meinen Kopf und mein Herz zu erreichen. Er kann kritisch über die Gesellschaft schreiben, über die Ängste unserer Generation philosophieren, aber alles formuliert er in seiner eigenen, modernen Poesie.

Wie der Album-Name bereits vermuten lässt, geht es thematisch darum, wie man in der heutigen Zeit sein Leben bestreiten kann. Religion ist ein Aspekt, es wird angedeutet, dass im schnelllebigen Alltag keine Zeit bleibt, sich mit den alten Schriften auseinander zu setzen, in eigenen Worten ausgedrückt: Man kauft sich einen Buddha, ein Kreuz, was auch immer, stellt es sich als Dekoration in die Wohnung und hofft, dass man beschützt wird (‘Spiritual Dark Age’).

Beziehungen werden ebenfalls thematisiert beziehungsweise, wie wir heute damit umgehen. Gefühlt war die Generation vor uns in den 30ern schon längst verheiratet und hatte mehrere Kinder. Ein Leben, dass heute für viele Menschen in diesem Alter undenkbar und veraltet scheint. Durch das lange Studium und das späte Erklimmen auf der Karriereleiter hat sich die Zeit des ‘Sesshaftwerdens’ etwas verschoben und unsere Generation genießt die Freiheit und möchte sich nicht allzu früh über Häuserkredite oder Erziehungsratgeber Gedanken machen. Und dennoch wird in ‘And Yet…’, treffend beschrieben, dass man am Ende der Reise nicht allein sein möchte, dass man sich insgeheim doch auf eine Konstante freut, dass man ankommen will.

Ralph schreibt zum Thema Liebe und Beziehungen auch darüber, nicht mehr über Freundinnen singen zu wollen, da diese dann ja doch irgendwann weg sind und man trotzdem weiterhin über sie singen muss, weil die Songs bestehen bleiben (‘No More Love Songs’). Wie bereits erwähnt, ist dieses Lied so poppig und klingt fröhlich, hat dann aber diesen bittersüßen Text, der es noch schöner macht – definitiv eines meiner Lieblinge, ich bin und bleibe halt ein romantisches Mädchen.

‘The Spiritual Dark Age’ ist so abwechslungsreich, dass es mir als Hörer nie langweilig wird. Im Gegenteil, ich wippe durch die rockigen Songs (‘The Unspeakable Crimes Of Peter Popoff’), träume mich durch die großartig mit Streichern unterlegten Arrangements (‘Cherry Blossom Falls’, ‘Oh Joy’) und lausche den unheimlich starken Balladen, die schon immer die große Stärke von To Kill A King waren (‘The Good Old Days’) und bin jedes Mal erstaunt, wie schnell die 41 Minuten an mir vorbei gezogen sind. Und während sich oberflächliche Popsternchen mit Playback-Auftritten die Taschen vollstopfen, muss sich eine talentierte Band wie To Kill A King durch Mangel an monetären Möglichkeiten beinahe auflösen. Es ist dramatisch und nicht gerecht. Ich wünsche den Briten in jedem Fall, dass sie mit dem neuen Werk den Erfolg einheimsen, den sie verdienen.

Tracklist:

Spiritual Dark Age
The Unspeakable Crimes Of Peter Popoff
Compassion Is A German Word
Cherry Blossom Falls
No More Love Songs
Oh Joy
The Good Old Days
The One With The Jackals
I Used To Work Here, Perhaps You Did Too?
My God & Your God
Bar Fights
And Yet…