Thomas Götz (Beatsteaks)

Herzlich Willkommen in Magdeburg. Ihr werdet hier ja immer mit offenen Armen empfangen. Die Stadthalle kennt ihr mittlerweile gut, wie fühlt es sich für euch an, wieder hier zu sein??

Irgendwie sind wir so oft in Magdeburg. Ich kann mich an einen wunderschönen freien Tag in Magdeburg erinnern mit an der Elbe lang spazieren und das letzte Konzert bei der Boombox-Tour war ein sehr schönes, die Leute hier sind sehr freundlich. Vielleicht ist es die Ost-Kumpelei. Ich weiß es nicht, aber es passt ganz gut: Die Beatsteaks und Magdeburg.

Wie läuft die Tour bislang?? Seid ihr im Rhythmus angekommen??

Ja, wir sind angekommen. Auf jeden Fall. Wir sind aber langsam rein geschlittert, also wir haben ja erst kleine Clubs gespielt zwei Wochen lang und haben dann noch mal Pause gehabt. Dann haben wir noch für die große Tour geprobt und sind jetzt so langsam in den großen Hallen angekommen. Man sollte meinen, das kann doch nicht so kompliziert sein für eine Band, die es fast 20 Jahre gibt, aber es ist immer wieder eine Umstellung in großen Hallen zu spielen, zu realisieren, dass es wieder was Anderes ist, als vor 500 Leuten zu spielen. Es werden andere Sachen erfordert.

Wie ist die Rückmeldung von Seiten des Publikums auf das neue Album??

Also bis jetzt könnte es nicht besser sein. Wir sind sehr glücklich. Wir haben fünf – sechs neue Songs im Programm und es passt hervorragend. Alles cool.

Eure neue Platte ist einerseits noch immer unverkennbar Beatsteaks, andererseits sind auch wieder neue Einflüsse hinzugekommen. Zum Beispiel erkenne ich Moneybrother bei ‘Everything Went Black’…

Wir hatten genug Zeit, bei Moneybrother abzugucken, wir waren ja lange genug zusammen auf Tour (lacht).

Es gibt aber auch Big Band-Elemente wie bei ‘Pass The Message’. Wie läuft das beim Songschreiben ab: Hört jemand privat Musik XY und lässt bewusst neue Klänge einfließen oder habt ihr gar keinen Einfluss darauf, was an Inspiration aus euch heraus kommt??

Ich glaube, es liegt daran, dass es keinen Ideenmangel gibt, daran, dass wir fünf Leute sind, die jeweils ihre Ideen einbringen wollen. Also es sind fünf verschiedene Geschmäcker und jeder kämpft um seine Ideen. Und es ist immer eine ständige Competition in Gang und ich glaube, das liegt daran, dass immer Jemand versucht, den Anderen zu toppen so nach dem Motto: „Okay, das war echt ‘ne geile Idee von ihm. Warte mal, was mir einfällt. Das zahle ich ihm heim mit meiner nächsten Idee.“ So ungefähr, es ist aber nicht so, dass wir sagen: „Wir müssen jetzt was Neues machen, wir müssen uns weiterentwickeln.“ Sondern es kommt sowieso nur so, wie es kommt. Die Platte klingt nach uns, denn wir sind nun einmal die, die wir sind. Wir können nicht aus unserer Haut raus. Manchmal wollten wir’s, manchmal nicht. So ist es.

Sind die vielen neuen Soundeffekte auch der Grund dafür, dass ihr euch live personell verstärkt habt mit Dennis??

Es gab ja die Two Drummer Summer Tour und dann bin ich diese Treppe runtergefallen und dann wurde die Tour unterbrochen und sie wurde nicht so richtig zu Ende gespielt und irgendwie wollten wir dann auch gar nicht, dass Dennis wieder raus ist. Es hat sich so gut angefühlt. Wir wollten aber auch nicht immer zwei Schlagzeuger haben, da hätte ich keinen Bock drauf gehabt. Es kann nur einen geben (lacht). Aber Dennis hat bei diesem Album alle Overdubs gemacht. Und das ist perfekt, denn wir können nun alle Sachen, die uns auf dem Album gefallen und die wir live haben wollen, Dennis spielen lassen. Weil der auch alles spielen kann, irgendwie kann der auch alles, was er anfasst. Und auch bei alten Liedern können wir sagen: „Dennis, es wäre cool, wenn du da noch ein bisschen Percussion machen könntest.“ So kann man noch mehr zeigen, durch einen Mann mehr.

Ihr seid so viel rumgekommen, habt als Band viel erlebt. Gibt es eigentlich ein Ereignis, bei dem ihr euch denkt: UNFASSBAR!! Daran werde ich mich immer erinnern??

Ich glaube, jeder von uns hat so ca. 65 solcher Momente und diese unterscheiden sich alle. Ich kann mich an viele Momente im Proberaum erinnern, die für mich unvergesslich sind, weil man weiß, der und der Song ist da entstanden. Konzerte in Berlin sind immer welche, die uns in Erinnerung bleiben. Aber auch, als wir in Bordeaux auf dem Bürgersteig saßen und Ali, unser erster Bassist, uns gesagt hat: „Ich glaube, ich will das nicht so weitermachen, wie ihr das machen wollt.“ Wie dann Torsten ist die Band kam. Wie wir festgestellt haben, als wir Living Targets aufgenommen haben, dass wir noch gar nicht genügend Lieder haben. Wir saßen an der Tankstelle und merkten, wir müssen noch ein paar Lieder machen. So reicht’s nicht. Und dann noch ganz viele Konzerte: Mit den Beasty Boys in Lugano auftreten zu dürfen war super cool, mit der Band All in Tilborg, in Amerika die Warped Tour zu spielen war auch ein Knaller, also es gibt ganz viele und wenn du die Anderen fragen würdest, dann kommen noch ganz viele hinzu. Jeder hat seine eigenen Momente, die er sich besonders gerne erinnert.

Ihr werdet ja schon seit Jahre mit Preisen für Beste Live Band ausgezeichnet. Ihr habt riesige Hallen ausverkauft und auf den größten deutschen Festivals gespielt. Als ich euch beim Hurricane 2005 das erste Mal live gesehen habe, ist Arnim vor mehreren tausend Menschen gestürzt. War das das Schlimmste, was ich euch bei einem Konzert passiert ist oder gibt es noch eine krassere Erinnerung??

Ich kann mich an einer Tour 1998 oder 1999 erinnern, als ich frisch in die Band gekommen bin. Da haben wir in Wien gespielt, hatte ein Arena Open Air. Und Ali und ich sind an dem Abend wirklich durchgedreht, wir waren außer Rand und Band. Wir sind am nächsten Abend um 6 Uhr wach geworden und haben ein furchtbares Konzert gespielt. Und danach gab es einen richtigen Anschiss. Da hat uns der Rest der Band die Meinung gesagt: „So wird es nicht mehr gehen“. Das war peinlichkeitsmäßig mein Höhepunkt.

Das Schlimme an dem Hurricane-Moment war ja, dass die schöne Gitarre kaputt gegangen ist. Beim Flug auf die Gitarre ist die Hose gerissen, die Gitarre war im Arsch und dann noch hämisch von der Band ausgelacht. Es war für ihn wirklich ein Scheiß-Moment (lacht).

Du hast es selbt eben angesprochen: Nächstes Jahr feiert ihr euer 20-jähriges Bestehen. Habt ihr schon Pläne, über die ihr reden könnt??

Nee, nicht direkt. Wir werden auf jeden Fall feiern und was liegt näher, als Konzerte dazu zu spielen?! Es wird Geburtstagskonzerte geben. Und ich glaube, Ende November sagen wir dann wann und wo und wie und was.

Die Ärzte haben vor 10 Jahren ja die Village People als Opener gewinnen können. Was wäre denn euer Wunsch für euer Jubiläum??

Dass endlich Rocket From The Crypt mit uns auftreten.

Von damals bis heute, was würdet ihr sagen: Wie hat sich die Dynamik innerhalb der Band entwickelt??

Es ist diplomatischer geworden. Wir wissen jetzt mehr, wie der Andere tickt. Wenn man jetzt eine Songidee hat, dann weiß man auch eher, wie man diese vorstellen muss, damit sie eine Chance hat, durch zu kommen. Ein paar Kämpfe sind einfach schon ausgefochten, man weiß, wo die Grenze ist. Also man weiß voneinander: Bis dahin und nicht weiter, also setz ihn nicht mehr unter Druck oder ich weiß, jetzt habe ich genug gesagt, jetzt bin ich ruhig, mein Standpunkt ist klar. Es gibt ja so eine Bannmeile im Bundestag, also man achtet auch bei uns die Bannmeile des Anderen.

Das ist auch clever denke ich, sonst könnte man wohl auch nicht so lang zusammen bleiben. Ihr verbringt schließlich sehr viel Zeit miteinander.

Man verbringt viel Zeit miteinander und man sollte seinen Gegenüber so nehmen, wie er ist. Man kann einfach nicht jemand Anderen umkrempeln, das klappt auch in Beziehungen nicht und so eine Band ist auch eine Art Beziehung.Und sonst: Reden. Über Alles reden. Immer reden, reden, reden. Reden hilft.

Mit Anfang 20 auf Tour zu gehen stell ich mir leichter vor, wenn man ungebunden ist. Heute habt ihr eure Familien zu Hause, die ihr zurück lassen müsst. Fällt es euch heute schwerer, die Koffer zu packen??

Das kann sein. Die Freude ist aber auch immer groß, los zu fahren. Ich bin nun aber auch nicht derjenige, der ein dreijähriges Kind zu Hause sitzen hat, ich stell mir vor, dass das dann noch mal schwerer ist, wenn man vielleicht eine Einschulung oder Ähnliches nicht mitkriegt. Ich finde, es ist immer schwer, die Liebsten zurück zu lassen. Aber wir werden dafür reichlich entlohnt (lacht). Wir brauchen uns nicht zu beklagen.

Ich sehe meine Freundin und meine Familie aber auch ehrlich gesagt häufiger, als so ein Typ bei der Stadtreinigung, der seinen 40-Stunden-Job macht und der sich dann in seinen zwei Stunden, in denen er frei hat, sein Bier schnappt und vor die Glotze hängt. Ich glaube, wir haben keinen Grund zur Klage.

Abseits von eurer Band: Auf welche Musik könnt ihr während der Tour nicht verzichten/Was gehört derzeit auf eurer Mixtape??

Ich kann dir von der letzten Nachtsession erzählen. Wir haben die neue Wanda-Platte durch gehört, die heißt Amore. Die müssen wir Jedem ans Herz legen. Dann haben wir uns Youtube-Videos von Wanda angeguckt, wie die so live sind. Dann haben wir Dinosaur Jr. gehört und dann haben wir noch ganz lange die Dirty Projectors und zwar die Platte Swing Lo Magellan. Die ist auch echt abgefahren. Das war die gestrige Nacht.

Kurzfragen:

Lieblingsnewcomer aus Deutschland??

Karies aus Stuttgart. Das ist eine Band aus dem Umfeld von Die Nerven, Humanabfall, All Diese Gewalt und Karies ist so eine Gang, ich weiß aber nicht, wer bei wem genau mitspielt. Und die Karies Platte ist echt der Knaller, finde ich. Seid Umschlungen, Millionen heißt sie. Das ist für mich persönlich als Thomas der Newcomer.

Lieblingsalben aus 2014??

Wanda – Amore

Timber Timbre – Hot Dreams

Ty Segall – Manipulator

Es klopft. Peter steckt seinen Kopf durch die Tür und flüstert mit weit aufgerissenen Augen: „Ick störe wohl beim Interview!?“ Thomas fragt ihn, was denn seine Lieblingsalbe aus 2014 sei. Peter’s Antwort:

Bilderbuch – Feinste Seide EP

Thomas ergänzt noch, dass die zwar von 2013 sei, aber so eng seh ich das nicht.

Welcher Song macht derzeit live am meisten Spaß zu spielen??

Everything Went Black

In welchem Land wärt ihr gern erfolgreich/würdet ihr gern öfter spielen??

Je weiter weg, desto besser.

Bei welchem Lied im Club müsst ihr tanzen??

Gun Has No Trigger von den Dirty Projectors

Das schönste Kompliment, das man euch jemals gemacht hat??

Du bist wirklich so toll, wie du aussiehst (lacht).

Open Air oder Club??

Unterschiedlich. Kommt auf den Tag an, es ist wirklich geil, dass wir Beides machen können. An den introvertierteren Tagen eher Clubkonzert.

Festival oder reines Beatsteaks Konzert??

Für mich als Beatsteaks Festival, weil dann kann man noch andere Bands angucken.