The Wombats (Bremen)

Rückblick:

Hurricane 2008. Es ist ein heißer, staubtrockener Samstagnachmittag, als ich meinen Bruder in den Fangraben nötige, weil ich ihm eine meiner aktuellen Lieblingsbands zeigen will: The Wombats. Die damals noch blutjungen Beuteltiere platzieren sich nervös giggelnd vor einem Mikrofon und stimmen ihr Acapella-Into ‘Tales Of Girls, Boys & Marsupials’ an. Sichtlich beeindruckt schweigt die –für einen Samstagnachmittag beachtliche – Zuschauermeute, um nach dem letzten verklungenen Ton in frenetischen Jubel auszubrechen. Ab da erinnere ich mich nur noch an pure Glückseligkeit. Wohin ich auch schaue, es wird getanzt, gesungen, gehüpft und ich habe eine Dauer-Gänsehaut. Das Debutalbum wird rauf und runter gespielt und der vermeintliche Geheimtipp wird zum Highlight des gesamten Festivals. Und scheinbar auch zum Highlight der Bands selbst. Es folgen noch weitere Hurricane-Besuche und jedes Mal stehe ich grinsend unter den Zuschauern, wenn Frontmann Matthew Murphy erzählt, wie legendär dieser Auftritt 2008 war, wie magisch, wie unglaublich euphorisch.

Gegenwart:

Es ist wieder Wombats-Tour-Zeit und glücklicherweise macht das Trio zum ersten Mal Halt in Bremen. Auch für ihr drittes Album haben sich die Wombats vier Jahre Zeit gelassen und da es bis zum Release-Tag nur noch ein paar Wochen sind, bereisen Murph, Dan und Tord nun fleißig Europa um ihr neuestes Baby vorzustellen. Das Aladin ist gut gefüllt, obwohl es bis zum Schluss noch Karten im Verkauf gab. Menschen im Alter zwischen schätzungsweise 14 bis 60 positionieren sich, die Teenies nehmen den Großteil der ersten zehn Reihen ein. Ich rechne zurück und komme mir unheimlich alt vor bei der Vorstellung, dass ich schon 2007 in Clubs zu den Wombats getanzt habe, während die meisten Leute um mich herum da noch im Kindergarten oder in der Grundschule gewesen sein dürften. Um kurz vor acht werden meine Gedanke jäh unterbrochen, als es dunkel wird und zwei Männer die Bühne betreten. Sie heißen Parasite Single, kommen aus Hamburg und was sie machen, bewegt sich zwischen Künstlern wie Radiohead, The Notwist bis hin zu Lexy & K-Paul. Als dann gegen Ende des Sets auch tatsächlich Tok:Tok auf die Bühne kommt, wird es verrückt – gab es zwischen ihr und Lexy & K-Paul schließlich auch mal eine Kooperation. Lustig, wie sich Bausteine manchmal zusammen fügen. Wunderschön fügt sich der helle Elfengesang in die sphärischen Klänge von Parasite Single. Ich bin wirklich angetan, vor mir steht eine echte Neuentdeckung und nur der immer lauter werdende Applaus nach jedem Song, holt mich wieder ins Hier und Jetzt zurück. Selten habe ich solch Euphorie nach einem Support-Act erlebt, der sich die Sympathien der Zuschauer buchstäblich erspielt hat.

Ich brauche einen Moment um mich stimmungsmäßig wieder auf die Wombats umzupolen, aber in dem Moment, als der Roadie Murph’s alte Blümchengitarre stimmt – an der schon ordentlich der Zahn der Zeit genagt hat – bin ich wieder freudig nervös. Anders als bei der Gitarre, haben sich die Wombats optisch kaum verändert; die Zeit hat aber für Routine gesorgt: Völlig entspannt nehmen die drei Liverpooler ihre Instrumente in die Hand und eröffnen ihre Show mit der Single ‘Your Body Is A Weapon’. Die Setlist ist ein gesunder Mix aus alten Songs der ersten beiden Alben und zwischendurch werden immer wieder neue Nummern eingestreut. Die junge Mehrheit um mich herum feiert jeden Song des 2. Albums, ich hingegen brülle beinah feierlich jedes Wort von ‘Little Miss Pipedream’ mit. Natürlich reißen mich Songs aus dem 2. Album wie ‘Tokyo’ oder ‘Techno Fan’ mit, aber insgesamt muss ich schon einen stetigen, subjektiven Qualitätsabstieg von Album zu Album vermerken. Denn schon die Vorabsingles vom Neuling Glitterbug wussten mich nicht restlos zu überzeugen und auch die anderen Neuvorstellungen lassen mich ernüchtert zurück. Die Band selbst bedankt sich höflich nach jedem Song und richtet ein paar Worte ans Publikum, es entsteht aber nie diese greifbare Nähe, auch wenn Bassist Tord die Zuschauer vor sich hin und wieder anlächelt und ihnen zuzwinkert.

Fazit:

Nach knapp eineinhalb Stunden ziehen sich die Beuteltiere zurück und mit gemischten Gefühlen verlasse ich das Aladin. Ohne diesen Festivaltag 2008 wäre dies ein spitzenmäßiger Abend mit sehr guten alten und soliden neuen Songs gewesen. Aber die Erinnerung an diesen Tag ist da. Die Messlatte liegt seit dieser ersten Begegnung so hoch, dass es unmöglich scheint, noch einmal so einen Zauber zu erleben. Ich werde auch weiterhin zu Konzerten der Wombats gehen. Natürlich. Denn auch in 2015 gibt es Funken; wenn das Intro von ‘Kill The Director’ ertönt zum Beispiel, dann kribbelt mein Bauch wie damals und beinah spüre ich sogar die sengende Samstag-Nachmittag-Sonne auf meiner Haut.

Setlist:

Your Body Is A Weapon
Jump Into The Fog
Moving To New York
Greek Tragedy
Party In A Forest (Where Is Laura?)
Be Your Shadow
1996
Party
Headspace
Techno Fan
The English Summer
Little Miss Pipedream
Kill The Director
Give Me A Try
Tokyo (Vampires & Wolvea)
Emoticons
Let’s Dance To Joy Division