The Wombats – Beautiful People Will Ruin Your Life

Zehn Jahre ist es nun schon her, dass ich die Wombats zum ersten Mal live sehen konnte. Damals war das Trio um Frontmann Matthew „Murph“ Murphy eins meiner Highlights beim Hurricane Festival. Es fühlte sich an, als würden alle dem Takt von Schlagzeuger Dan Haggis folgen und das breite Grinsen von Bassist Tord Øverland-Knudsen spiegelte die Euphorie des Publikums. Noch heute kann ich das Debütalbum ‚The Wombats Proudly Present: A Guide To Love, Loss & Desperation‘ nicht hören, ohne an diesen wahrlich außerordentlichen Nachmittag zu denken.

Seit jeher erzählt Texter Murph Geschichten aus seinem Leben. Beim ersten Album waren das lustige Rückblicke aus seiner Kindheit und Jugend: Neben der ersten Liebe im Schulbus sitzen, mit Grauen in die Pubertät kommen und sich von den Hormonen übermannen lassen und natürlich auch wilde Parties und Abstürze wurden beschrieben.

Das zweite Album ‚The Wombats Proudly Present: This Modern Glitch‘ hatte die Leichtigkeit und Freude weitestgehend abgelegt. Murph erzählte musikalisch von seinen Angststörungen, den Antidepressiva, die er einnahm und seiner Wahrnehmung auf die Welt.

Bei dem Nachfolger ‚Glitterbug‘ erfuhr der Hörer, dass Murph sein neues zu Hause in Los Angeles fand. Meiner Meinung nach hört man dem Album den Tapetenwechsel deutlich an. Es ist viel elektronischer und blinkender geworden. Bis dato kann ich mit dieser Platte nicht warm werden. Von Ausnahmen wie ‘Greek Tragedy’ mal abgesehen.

Nun läuft der Vierte Longplayer mit Namen ‚Beautiful People Will Ruin Your Life‘ seit Wochen durch meine Kopfhörer. Und ich gebe zu, dass ich anfangs versucht war, das Album schnell als zu seicht, zu inkonsequent abzutun. Doch dann ertappte ich mich dabei, wie ich immer öfter mit Ohrwürmern in meinem Kopf umher lief.

Die zugänglichsten Songs fanden direkt den Weg zu mir: ‚Turn‘ und ‚I Don’t Know Why I Like You But I Do‘ passen nicht nur zum nahenden Sommer, sondern zeigen die große Stärke der Wombats, nämlich großartige Pop-Melodien zu komponieren.

‚Out Of My Head‘ hingegen hat mich brutal von hinten überfallen. Bei dem Song hatte ich oft den Finger auf der Skippen-Taste. Und dann wurde ich ihn tagelang nicht mehr los und summte immer wieder neue Songzitate vor mich hin: ‚I try to be human, but that never works.‘ ‚Thunder, now I’m gliding, drinking caffeine till I’m flying like a kite. I’d try anything twice.‘ Die Art zu Texten gefällt mir bei den Wombats sehr.

Und dann gibt es Songs wie ‘Ice Cream’ oder ‘Dip You In Honey’. Auf die muss man sich wirklich einlassen können und wollen. Ehrlicherweise bin ich da einen kleinen Prozess durchlaufen. Ich messe Künstler meist nach ihren –in meinen Augen- besten Alben. Und für mich ist das ganz eindeutig das Debüt. Das hatte Druck, nahm mich sofort voll und ganz ein, ich wollte singen, tanzen, die Songs live hören. Sie hatte mich. Diese Herangehensweise sorgte aber für eine Sperre, denn die Wombats haben sich seit ihrem Debüt kontinuierlich entwickelt, was auch logisch und nachvollziehbar ist. Und ich habe die Entwicklung zu immer größeren Produktionen und vermehrtem Einsatz von Synthesizern kritisch beobachtet. Auf ‚Beautiful People Will Ruin Your Life‘ haben sie diese zum Glück wieder zurück gefahren. Dennoch spielen sie -wie bei den oben genannten Beipspiele- mit den Facetten, die der Pop bietet. Und auch hier hat sich meine Meinung gedreht, nachdem ich die Songs länger auf mich hab wirken lassen. Durch die Reduktion der Produktion können die Melodien und auch die Texte besser wirken.

Inhaltlich beschreibt Murph jetzt sein Leben in L.A. Mittlerweile reifer und ruhiger hat er offenbar auch Stabilität durch seine ganz junge Ehe erlangt. Und das ist für mich als Hörerin, die seine Geschichten nun schon über Jahre verfolgt, die erfreulichste Botschaft.