The Prodigy (Hannover)

Musik begleitet mich schon mein Leben lang. Mit manchen Bands verbinde ich Etappen und manche sind einfach gefühlt schon immer da. Eine von ihnen ist The Prodigy und endlich ergab sich die Möglichkeit, sie auch mal bei einem Konzert live zu erleben. Bei schönstem Frühlingssonnenschein spaziere ich vom Maschsee aus zur Swiss Music Hall. Dort tummeln sich schon viele Konzertbesucher, die sich überwiegend in schwarz gekleidet haben und stilistisch zwischen Punk, Industrial und Gothic einordnen. Das hätte ich so gar nicht vermutet.

Die Bühne befindet sich zwei Treppen unter dem Eingang und auf dem Weg in den Innenraum dröhnen mir schon Bässe entgegen – die Vorband besteht heute aus einem DJ, der okay, aber im Aufbau seiner Songs nicht sehr einfallsreich ist. Ich finde einen guten Platz rechts neben dem Ton- und Lichtmann – heute bevorzuge ich den guten Sound und die Lichtershow und riskiere die schlechte Sicht auf die Bühne.

Ich freue mich besonders auf die alten Hits, bin gleichzeitig aber gespannt, ob die Songs vom neuen Album (siehe Review) live so kraftvoll rüber kommen, wie durch die Heimanlage. Leider stehe ich mir bei der langen Umbaupause ziemlich die Beine in den Bauch; die Ränge sind längst besetzt und auch hier unten im Innenraum sollte es nicht voller werden, sonst wird es schwer das Tanzbein richtig zu schwingen. Um 21:20 Uhr -was ist das eigentlich für eine Startzeit??- wird es dunkel im Saal. Obwohl es sich um die ‘The Day Is My Enemy’-Tour handelt, eröffnen The Prodigy ihr Programm mit einem Klassiker: ‘Breathe’. Die bis eben noch ruhige Menschenmasse kommt augenblicklich in Wallung -und bleibt es auch, denn die letzte Single-Auskopplung ‘Nasty’ schlägt ebenfalls ordentlich durch. Ich schaue nach links zum Lichtmann, der selbst ordentlich ins Schwitzen kommt, während er wie ein virtuoser Pianist auf seinen Laptop einhämmert. Ab und an wischt er sich den Schweiß vom Gesicht und um im Takt zu bleiben, tanzt er sogar und fügt sich optisch somit schön in sein verschwitztes Umfeld. Und mein Blick nach vorn zeigt, dass sich seine Mühe lohnt: Die Swiss Music Hall erstrahlt an diesem Abend in den hellsten Lichtformationen. Obwohl ich weit hinten stehe, schallt die Musik doch ziemlich laut und ich will mir gar nicht vorstellen, wie den ersten Reihen die Ohren dröhnen müssen. Noch ein Umstand mehr, der mich mit der schlechten Sicht auf die Musiker entschädigt. Manchmal hab ich Glück und sehe Keith und Maxim von einem Bühnenrand zum nächsten laufen, doch meistens verhindern tanzende schwarze Silhouetten den Blick zur Bühne. Schade finde ich, dass Maxim bei keinem Song ohne sein Lieblingswort ‘Fuck’ auskommt, und auch sein ‘All my people of Hanover’ ist spätestens beim 12. Mal nervig. Außerdem entstehen viele Pausen während des Konzerts, ich kann es zwar nicht sehen, aber es scheint, dass die in die Jahre gekommenen Herren öfter mal von der Bühne müssen, um eine Verschnaufpause einzulegen.

Die Setlist finde ich gelungen, mir gefallen die neuen Songs live total gut, besonders der Titelsong zum aktuellen Album ‘The Day Is My Enemy’ geht phänomenal ab. Zwischendurch kramen The Prodigy immer mal wieder im bandeigenen Archiv und hauen Perlen wie ‘Firestarter’ oder ‘Smack My Bitch Up’ raus. Letzteres endet mit einer unfreiwilligen Bierdusche, nachdem Maxim alle Zuschauer im Innenraum zum Hinhocken aufgerufen hat. Beim Hochspringen gehen dann mit einigen Besuchern die Pferde durch und sie schmeißen kurzerhand auch ihre Bierbecher in die Luft. Leider werden die guten alten Trance-Klassiker wie beispielsweise ‘Everybody In The Place’ oder ‘No Good’ nicht gespielt, aber diese hätten vielleicht auch nicht in den rockigen Industrialsound des heutigen Abends gepasst. Insgeheim keimt in mir der Wunsch nach einer Best Of-Tour auf und als sich um 22:10 Uhr The Prodigy von der Bühne verabschieden und ich langsam mit der nassgeschwitzten Menschenmasse nach draußen trotte, höre ich auch bei vielen Auswertungen um mich herum, welche Songs aus früheren Zeiten vermisst wurden. Also lieber Liam, Keith und Maxim: Falls ihr das lest, macht doch bitte mal eine Tour, vollgepackt mit den Hits aus eurer 25-jährigen Bandgeschichte. Ich bin mir sicher, die Tickets gehen weg wie geschnitten Brot.

Out of space, everybody in the place, no good

22:10 Uhr

Setlist:

Breathe

Nasty

Omen

Wild Frontier

Firestarter

Roadblox

Rok-Weiler

Poison

The Day Is My Enemy

Beyond The Deathray

Voodoo People

Get Your Fight On

Run With The Wolves

Wall Of Death

Omen (Reprise)

Invaders Must Die

Smack My Bitch Up

Their Law

Take Me To The Hospital