SLUT (Berlin)

Endlich sind sie wieder auf Tour. Auch wenn es ein Promotionkonzert zum neuen Album ‘Alienation’ ist, für das man nur Tickets gewinnen und nicht kaufen kann. Als glückliche Gewinnerin fahre ich also an diesem freundlichen Septembertag in die deutsche Hauptstadt um SLUT mal wieder live zu sehen.

Der Eingang ist beim FluxBau gar nicht so leicht zu finden, als meine Begleitung und ich ihn dann doch ausmachen, stehen wir mitten im hauseigenen Restaurant und sehen die Band des Abends beim gemütlichen Abendessen. Auch wir stärken uns und treffen dann Sänger Chris Neuburger draußen am Steg, von wo aus man direkt gegenüber die O2 World sehen kann. Ob er heute lieber dort spielen würde, als im urigen Flux-Keller, frage ich ihn. Chris sei sehr zufrieden mit der Ist-Situation, denn SLUT laufe parallel zu den Jobs, die die fünf Ingolstedter tagtäglich ausüben. Die Songs schreibe überwiegend er und es freut ihn, dass uns die unterschiedlichen Produktionsstile auf der neuen Platte aufgefallen sind. Tatsächlich haben sich SLUT mit fünf Produzenten wiedervereint, die schon früheren Alben den individuellen letzten Schliff gegeben bzw. den unterschiedlichen Charakter einverleibt haben.

Als SLUT auf die Bühne kommen, klatschen alle erdenklichen Altersgruppen einen ehrlichen Begrüßungsapplaus. Auch sie scheinen über die Rückkehr dieser talentierten Band erfreut zu sein. Das Set startet mit ‘Time Is Not A Remedy’; ich fühle mich zurück versetzt in das Jahr 2005, als ich SLUT zum ersten Mal live sehen durfte und falle vor Freude fast von meinem Steinabsatz auf welchem ich stehe, um eine gute Sicht auf die ebenerdige Bühne zu haben. Wunderbarer Einstieg. Musikalisch springen wir noch einen Schritt weiter zurück in die Vergangenheit, als ‘Caracter’s Theme’ aus dem Album ‘Lookbook’ ertönt. Es ist immer wieder faszinierend, wie spielerisch sich SLUT live zwischen Pop, Elektro, Indie, Grunge und Garage bewegen.

Es folgen neue Songs, die offensichtlich auch für die Musiker selbst noch schwer zu spielen sind, doch sie überzeugen mich live mehr als auf Platte -hier muss ich ‘All Show’ hervorheben, was mich an diesem Abend in diesem kleinen Raum riesig bewegt. Ich bin noch immer gedankenverloren, als Chris einfach nur ‘1996’ ins Mikrofon spricht und gleich daraufhin die ersten Töne von ‘Rocket’ erklingen. Himmel, das ist ja wie bei einer Achterbahnfahrt der Gefühle!! Plötzlich fliegen Haare, nicken Köpfe, schunkeln sich die Besucher so gut es geht von links nach rechts, aber alles im Rahmen -was man von mir nicht mehr sagen kann, als ‘Reminder’ einsetzt und mich mal kurz, aber intensiv ausflippen lässt vor Begeisterung. Ich stütze mich an meiner Begleitung vor mir ab, hüpfe so gut es geht und feiere diesen Song gebührend.

Danach bekommen die anderen Konzertgewinner und ich glücklicherweise die Möglichkeit zu verschnaufen, denn bei ‘Holy End’ wird es wieder still und beinahe verpasse ich den Abschlussapplaus, so in Trance bin ich wieder gefangen ob der lieblichen Melodeien. „Das kann es noch nicht gewesen sein!?“ -denke ich und zum Glück kommen SLUT Sekunden später noch einmal zurück. Sie präsentieren hohes Kulturgut mit ihrer Interpretation von ‘Die Morität Von Mackie Messer’ und enden dann mit dem Song, durch den ich überhaupt erst auf diese Männer aufmerksam geworden bin: ‘Easy To Love’. Und ja, das sind sie für mich wirklich. Meiner Meinung nach ist SLUT eine der besten und unterbewertetsten Bands Deutschlands und ich kann jedem Musikfreund der oben genannten Genres nur ans Herz legen, ein Konzert der Bayern wahrzunehmen, wenn sich ihm die Möglichkeit dazu bietet.

Setlist:

Time Is Not A Remedy
Caracter’s Theme
Anybody Have A Roadmap
Remote Controlled
Still No 1
All Show
Rocket
If I Had A Heart
Staggered And Torn
Next Big Thing
Interference
Reminder
Holy End
Die Morität Von Mackie Messer
Easy To Love