Royal Blood (Bremen)

Nur knapp eine Woche nach dem letzten Aladin-Besuch, begrüßt mich an diesem Donnerstag erneut die leuchtende Fassade mit den vielen Palmen und mittlerweile habe ich diesen orientalischen Veranstaltungsort richtig ins Herz geschlossen. Wahrscheinlich, weil ich mit ihm schöne Erinnerungen an schwitzige Konzerte verbinde – und auch heute kündigt sich Besuch an, der für seine mitreißende Musik bekannt ist: Royal Blood. Deren Debutalbum wurde ja schon gehypt, da war es noch nicht einmal auf dem Markt. Arctic Monkeys Schlagzeuger Matt Helders sei Dank: Der trug nämlich beim bandeigenen Headlinerauftritt des Glastonbury Festivals 2013 bereits ein Royal Blood T-Shirt und löste damit im Internet eine regelrechte Suchjagd aus – ungefähr einen Monat später veröffentlichte das Duo aus Brighton, strategisch perfekt, seine erste Single „Out Of The Black“. Und seitdem dürfte es im Leben von Sänger & Bassgitarrist Mike Kerr und Schlagzeuger Ben Thatcher kaum mehr eine ruhige Minute gegeben haben. Sie reisten um die Welt, spielten vor riesigen Festivals und wurden im Februar diesen Jahres sogar als beste britische Gruppe bei den Brit Awards ausgezeichnet. Völlig zu Recht, wie ich finde. Umso unfassbarer war es für mich, kurz vor knapp noch Tickets für das nicht ausverkaufte (!!) Konzert im überschaubaren Aladin zu bekommen. Wobei es vor Ort dann doch kuschelig wurde, viele Besucher schienen an der Abendkasse noch zugeschlagen zu haben.

Ich komme direkt zum furchtbarsten Teil des Abends: Die Vorband Bad Breeding war schlicht und ergreifend die verschwendeste knappe halbe Stunde meines Lebens. Null System, viel zu schnelles Geschrammel, viel zu laut eingestellte Instrumente, schreckliches Geschrei vom – nein, ich kann ihn nicht Sänger nennen- Mann, der das Mikrofon hält (nach bereits 30 Sekunden lag er am Boden, als ginge es mit ihm zu Ende). Kurz und gut, als diese Truppe die Bühne verlässt klatschen nur eine Handvoll Leute und einige Menschen winken ihnen sogar ein Auf-Nimmer-Wiedersehen hinterher.

Aus meiner Schockstarre befreit, positioniere ich mich auf einem höhergelegenen Rundell direkt unter der guten alten Staub-Diskokugel. Um 21:05 Uhr gehen die Lichter des Clubs erneut aus und als Royal Blood die Bühne betreten und den Zuschauern freudig zuwinken, werde sogar ein bisschen aufgeregt, so groß ist die Vorfreude. Und ein erlösendes Gefühl überkommt mich, als die ersten Töne erklingen und ich feststellen kann: Der Sound ist umwerfend. Ich kann mich völlig auf die Musik einlassen ohne Angst um mein Trommelfell haben zu müssen. Ich habe das Bremer Publikum bei anderen Veranstaltungen als ein bisschen steif und ruhig kennen gelernt – nicht so an diesem Abend: Egal, ob Albumsong oder B-Seite, es wird das unfassbare Talent dieser beiden jungen Briten lückenlos gewürdigt. Von Bands wie den White Stripes, Johnossi oder den Blood Red Shoes wusste ich schon, dass man auch ordentlich Druck zu zweit machen kann, aber das, was sich mir da live präsentiert, bringt alles vorher Gesehene auf eine neue Ebene. Immer wieder starre ich verblüfft auf diese kleine Bühne, die vollgestopft ist mit den riesigen, mitgebrachten Lichtanlagen, die fünf Nummern zu groß für das Aladin sind. Genau, wie es diese Band ist. Gedanklich klopfe ich mir mehrmals auf die Schulter: Wenn ich in ein paar Jahren 60€ für ein Ticket von Royal Blood ausgeben muss, um sie dann auf irgendeinem Oberrang einer Arena in Ü-Eier-Figuren-Größe anschauen zu können, werde ich mich in meinem heutigen Glauben bestätigt fühlen: In so kleinem Rahmen werde ich diese großartige, trotz ihrer kurzen Bandgeschichte erfahren wirkende Band nie wieder sehen. Dass es das Duo in dieser Formation erst seit 2013 gibt, will mir einfach nicht in den Sinn. Sowohl Mike, als auch Ben beherrschen ihre Instrumente, bespielen sie virtuos und haben trotzdem noch Zeit, die Zuschauer anzuheizen oder sich fröhlich zu zu grinsen. An diesem Abend stimmt einfach alles (dieses furchtbare Spektal, was sich Vorband nannte, mal dick ausgeklammert). Nach genau einer Stunde endet dieses furiose Schauspiel vor meinen Augen, scheint im ersten Moment kurz, aber erstens haben Royal Blood nun mal nur ein Album veröffentlicht und zweitens waren die vorangegangenen 60 Minuten so intensiv, dass man erschöpft, aber glücklich in die kühle Märznacht hinaus schwebt. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Clou dieser jungen Männer. Da kommt noch Großes auf uns zu.

Setlist:

Hole
Come On Over
You Can Be So Cruel
Figure It Out
Better Strangers
Little Monster
Blood Hands
One Trick Pony
Careless
Ten Tonne Skeleton
Loose Change
Out Of The Black