Nachbericht Oakfield Festival 2017

Anstatt entspannt über das Festivalgelände zu schlendern, quälen wir mein altes Auto zu Höchstleistungen an, denn wir sind im Zeitverzug. Was uns in der Hektik aber hilft und positiv auffällt, ist die hervorragende Beschilderung, die uns ohne Umwege zum Gelände des Oakfield Festivals führt. Die zweite erfreuliche Erkenntnis: Wir können direkt vor dem Haupteingang parken und da aller guten Dinge drei sind, finden wir kurze Zeit später heraus, dass das Organisationsteam vor Ort ausgesprochen freundlich ist und uns hilfsbereit zuerst die Pässe und Armbändchen aushändigt und uns dann auch noch den Weg zu den Backstage-Zelten weist, denn dort haben wir direkt unser erstes Interview mit Jakob von den Leoniden.

Die Laufwege auf diesem Gelände sind klein, das ganze Areal kann als kuschelig beschrieben werden. Sobald wir die Zeit haben, zum ersten Mal alle Stände abzugrasen, werden wir merklich ruhiger. Mitten im Nirgendwo, viel Grün, natürlich ranken Eichenkronen hinter der Bühne gen Himmel – es ist ein friedlicher Ort. Die Besucher unterhalten sich über ihre Urlaubsreisen oder die Vorfreude auf’s Wochenende, es stehen viele Sitzmöglichkeiten zur Verfügung. Ganze Ledersofas wurden hier angeliefert und das Erstaunlichste: Sie stehen unglaublich nah an der Bühne. So langsam gewinnt die Dunkelheit den Kampf gegen das Tageslicht; erst jetzt sehen wir die tolle Lichtinstallation am Haupteingang.

Was jetzt noch fehlt, ist ein bisschen Musik, um die Festivalatmosphäre perfekt zu machen und wie auf’s Stichwort kommen die Kieler ‚Leoniden‘ auf die Bühne. Julia eilt nach vorne, um Fotos zu machen und so groove ich zunächst allein zur Musik einer unserer diesjährigen Highlight-Bands. Der Großteil der Besucher scheint die Leoniden noch nicht zu kennen, doch das Quintett erspielt sich schnell Sympathien – nach jedem Song wird der Applaus lauter. Wiedervereint tanzen, springen und singen wir, was die Beine und Lungen hergeben und unser direktes Umfeld lässt sich von unserer Euphorie anstecken. Gefühlt viel zu schnell wird das letzte Lied ‚Sisters‘ angekündigt, aber zum Finale drehen wir noch einmal auf und tanzen uns mit den anderen Besuchern den Alltagsstress von der Seele.

Beim Auftritt von Samiam ziehen wir uns ein wenig zurück und lassen die dunklen Silhouetten der feiernden Meute, die vielen Lichter an den Foodtrucks bzw. auf dem gesamten Areal und das beruhigende Summen der verschiedenen Unterhaltungen auf uns wirken. Da wir am nächsten Tag Früh wieder hier sein werden, verabschieden wir uns fürs Erste von diesem zauberhaften Ort.

An Tag zwei haben wir um elf Uhr den ersten von insgesamt drei Interviewterminen. Wir treffen den entspannten Joe Astray, von dem wir im anschließenden Gespräch interessante Einblicke in den unromantischen Teil des Musikerdaseins bekommen.

Wir ziehen weiter und schauen uns die fleißigen Helfer beim Um- und Aufbau an. Doch gestresste Gesichter sucht man hier vergebens. Jeder grüßt uns freundlich, bleibt für einen kurzen Plausch stehen oder bietet seine Hilfe an. Uns wird ganz warm ums Herz bei so einer schönen Gemeinschaft. Auch wenn wir nur Besucher sind, so fühlen wir uns herzlich aufgenommen. Das Oakfield-Motto „Von Fans – Für Fans“ könnte unserer Meinung nach auch umgeschrieben werden in „Von Freunden – Für Freunde“. Und zwar nicht nur für Musikfreunde. Denn was uns speziell an diesem Samstag auffällt, ist auch die Familienfreundlichkeit. Wir beobachten einige kleine Kinder mit Gehörschutz auf den Ohren, die an der elterlichen Hand viel zu entdecken haben.

Unterwegs treffen und begrüßen wir die ‚Mighty Day Times‘, die sich nach ihrem Soundcheck viel Zeit für unser Interview nehmen.

Das anschließende Konzert fügt sich wunderbar ein in den entspannten, gut gelaunten Samstagnachmittag. Jonathan’s Stimme beeindruckt uns sehr und auch der gesamte Sound ist so ein Genuss für die Ohren, dass wir uns zurücklehnen und genießen. Die Mighty Day Times bleiben uns im Gedächtnis und wir freuen uns auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen.

Doch zunächst einmal huschen wir schnell ins Auto, da ein ordentlicher Regenschauer die Besucher überrascht und den Boden in eine Schlammbahn verwandelt. Doch auch hier funktioniert die Organisation. Schon vorab wurden auf dem Parkplatz neue Spähne ausgestreut, damit sich niemand beim Verlassen des Geländes festfährt. Wer nicht wie wir ins Auto kann, versammelt sich unter den diversen Ständen und ganz mutige Wasserratten waten in ihren Gummistiefeln unbeirrt weiter.

Im Auto werden wir lautstark von ‚Kolari‘ wach gebrüllt. Da wagen wir uns nach einiger Zeit im letzten Nieselregen an die Bühne und erleben ein fulminantes Set mit viel Schwung, Druck und Haar. Wir erfahren wenig später, dass ‚Kolari‘ schon bald in Hamburg spielen werden und wir werden da dran bleiben.

Nach dem Regen ist vor dem Essen: Endlich probieren wir eine der vielen kulinarischen Angebote aus und vergeben fünf Sterne für diese geniale Curry-Mayonnaise!! Pappsatt lauschen wir ‚Lygo‘, von denen wir auch vorher noch nichts gehört haben, die wir aber äußerst interessant finden und schon wieder sind wir dem Oakfield Festival dankbar. An diesem Wochenende lernen wir musikalisch extrem dazu.

Das erste Set von ‚Joe Astray‘ auf der kleinen Bühne steht an. Viele Eltern haben sich mit ihrem Nachwuchs hier eingefunden und wippen zum Takt der Musik. Auch wenn es sehr hippie-esque klingen mag, aber das Oakfield ist einfach ein unheimlich friedlicher Ort, an dem es uns ganz warm ums Herz wird – und das volle zweie Tage lang. So ein schönes Miteinander haben wir schon lange nicht mehr erlebt und wir freuen uns, das einmal mitmachen zu dürfen.

Es folgt ganz viel gute Laune in Form von ‚Abramowicz‘. Die Hamburger unterhalten auf der großen Bühne die Zuschauer mit ihren Songs und sogar die Sonne lässt sich an diesem Abend noch einmal blicken. Spontan für ‚Tequila And The Sunrise Gang‘ eingesprungen und sie haben merklich Bock. Die gute Laune überträgt sich auch direkt bei unserem Interview, welches wir kurze Zeit später mit vier Fünfteln der Band führen dürfen.

Durch das Gespräch sehen wir nur die letzte Viertelstunde von ‚A Projection‘, die die Band selbst als die Emo-Phase bezeichnet. In der Tat erinnert mich die Musik der Schweden ein bisschen an die Ländernachbarn HIM, in jedem Fall passt sie wunderbar in die mittlerweile eingekehrte Abenddunkelheit.

In der Zwischenzeit ist es merklich kühler geworden und so wippen wir im Takt zu ‚Messer‘, die eine beachtliche Anzahl Fans vor der Bühne begrüßen. Ganz besinnlich wird es allerdings auf der Nebenbühne, wo Rocky Votolato spielt. Wunderschöne Melodien, eine grandiose Stimme, wir hätten noch Stunden zuhören können. Obwohl es schon spät ist, haben sich die Besucher vollzählig vor der Hauptbühne eingefunden um sich den letzten Auftritt des Abends und somit des Wochenendes anzusehen und besonders –zuhören: Turbostaat. Und die haben ihr Publikum von der ersten Sekunde an in ihrem Bann – ein fulminantes Finale für das Oakfield Festival. Es war uns eine große Freude: Noch einmal vielen Dank für die Möglichkeit, darüber berichten zu dürfen, für die ganz fabelhafte Betreuung vor Ort und die tollen Erlebnisse, die wir noch lange in Erinnerung behalten werden!