Margrét Rán Magnusdóttir (VÖK)

Ihr habt damals bei der Veröffentlichung eures Debüts ‘Figure’ gesagt, dass ihr hofft, dass euch das Album in die Welt reisen lassen wird. Wenn ich mir euren Tourplan so anschaue, so scheint der Wunsch in Erfüllung gegangen zu sein. Wie ist es denn nun tatsächlich, durch verschiedenste Länder zu reisen??

Margrét: Die war wirklich klasse. Aber natürlich hatten wir unsere Hochs und Tiefs. Wir haben dieser Tour intern den Titel ‘Die Kältetour’ verliehen. Die meiste Zeit herrschten überall -15°C. Und wirklich lustig ist, dass Island das wärmste Land in Europa zu dieser Zeit war. Da kamen wir uns schon ein wenig veräppelt vor. Als wir aus Island abreisten, was das Wetter dort so furchtbar und wir haben uns so auf das wärmere Europa gefreut. Und dann kam diese extreme Kälte, die auch ganz anders als die isländische ist. Bei uns ist es dann trocken, aber hier zieht der Frost direkt in die Knochen und ist sehr unangenehm. Aber abgesehen vom Wetter, war es bislang wirklich schön. Natürlich sind wir mittlerweile auch ein wenig erschöpft, weil wir nun auch bald die Tour beenden. Wir gehen jetzt wieder nach Hause, bleiben dort ein paar Tage, spielen auch ein Konzert. Dann findet das Finale in England statt. Ich bin aber wirklich zufrieden, wie die Tour verlaufen ist.

Ist Touren denn so, wie ihr euch das vorab vorgestellt habt oder doch ganz anders??

Es hört sich meist großartiger an, als es letztlich ist. Ich meine, wir leben bestimmt kein glamouröses Tourleben, wenn du weißt, was ich meine.

Es hat sicherlich nichts mit der romantischen Vorstellung eines Musikerlebens zu tun?!

Nein, gar nicht. (lacht) Und manchmal haben wir auch echt zu kämpfen. Wir sind einfach noch nicht in der Situation, in der wir mit einem Nightliner touren können. Im Moment ist das für uns eine ziemlich spannende Erfahrung.

Schreibt ihr auch, während ihr auf Tour seid?? Inspiriert euch die täglich wechselnde Umgebung, die verschiedenen Mentalitäten oder braucht ihr Island als euer zu Hause, um wirklich kreativ arbeiten zu können??

Nein, ich kann tatsächlich auch jetzt schreiben. Es ist allerdings ein anderes Komponieren, da wir nicht die Technik im Bus haben, die uns zu Hause zur Verfügung steht. Aber ich mache zur Zeit viel am Laptop und experimentiere rum, entdecke beim Ausprobieren auch neue Elemente, die ich vielleicht zu Hause nicht gefunden hätte. Aber wir schreiben eigentlich alle, immer.

Ich habe mal gehört, dass Kreativität wie ein Muskel funktioniert. Wenn man täglich trainiert und was macht, dann bleibt man fit und kann einfacher komponieren. Ist das wirklich so??

Ja, bei mir auf jeden Fall. Ich merke, dass es bei mir so gut funktioniert. Und es heißt nicht, dass ich jeden Tag einen Song schreibe, der auf jeden Fall auf eine neue Platte kommt. Manchmal kommt ein Techno-Song raus, dann eine Ballade. Hauptsache, man schreibt überhaupt etwas.

Nachdem ihr ‘Figure’ veröffentlicht habt, seid ihr schnell auf Tour gegangen und seitdem jeden Tag zusammen. Funktioniert ihr als Team gut, oder habt ihr mittlerweile einen Lagerkoller??

Nein, das nicht. Wir achten darauf, dass wir auch Dinge tun, die uns wieder runterholen. Wir gucken uns als Touristen die Städte an, in denen wir spielen. Wir gehen mal ins Spa, um runter zu kommen. Es ist schon extrem, jeden Tag zusammen zu sein: Im Bus, beim Essen, auf der Bühne. Und die Emotionen sind ein bisschen vergleichbar mit einer Fahrt in einer Achterbahn: Da ist die Euphorie am Abend, dann die Müdigkeit bei den langen Fahrten. Manchmal sitzen wir neun Stunden im Bus. Aber wir finden einen ganz guten Ausgleich zwischendurch. Einmal kam meine Freundin zu uns, als wir in Amsterdam spielten oder auch Einar’s Frau und Kind waren mal zu Besuch und dann fühlen wir uns auch wieder wie ganz normale Menschen.

Hat denn auch jedes Bandmitglied seine Rolle?? Gibt es den Spaßvogel, den Zuhörer – wisst ihr, wie ihr miteinander umgehen müsst, um euch nicht an die Gurgel zu gehen??

Ich denke schon, wir kennen auf jeden Fall unsere Grenzen und wir wissen, wie jeder tickt. Außerdem haben wir einen unglaublich tollen Tourmanager, auf den wir immer bauen, mit dem wir immer sprechen können. Als wir in Polen waren beispielsweise, wurde ich sehr krank. Glücklicherweise hatten wir einen Tag freu und ich konnte 20 Stunden lang schlafen und mich erholen. Und unser Manager hat sich so rührend um mich gekümmert, das war wirklich toll. Aber ja, wenn wir zum Beispiel unser Auto packen, solche regelmäßigen Dinge machen, da haben wir jetzt eine gute Routine entwickelt und jeder weiß, welche Aufgaben er zu erfüllen hat. Das ist dann vielleicht keine wirkliche Rolle, aber jeder kennt seine Position, so kann man das vielleicht beschreiben.

Ich denke, wenn man auf Island lebt, dann kann einen eigentlich keine andere Landschaft mehr beeindrucken. Ist das so, oder an welche Orte von dieser Tour habt ihr besondere Erinnerungen??

Wir haben in Zagreb, in Kroatien gespielt und dort waren wir noch nie. Es ist so wunderschön dort. Wir hatten ein riesiges Airbnb-Appartement mit vielen Zimmern und einem Piano. An unserem freien Tag sind wir durch Zagreb gelaufen und die Stadt hat so einen tollen Vibe. Uns hat auch gefreut, dass fast alle Menschen dort super Englisch sprechen. Wir waren zuvor nämlich in Italien und da war es ganz anders. Dort sind die Leute teilweise vor uns weggerannt, weil sie uns nicht verstehen konnten. Insgesamt wird der bleibende Eindruck eines Ortes dadurch geprägt, wie der freie Tag dort abläuft. Unser Zeitplan ist nämlich insgesamt sehr eng geschnürt und die Zeiten, in denen wir uns etwas anschauen können, zählen dann zu den Höhepunkten.

Nachdem ihr nun so viele Konzerte gespielt habt, könnt ihr Songs herausfiltern, die bei den Zuschauern besonders gut ankommen?? Oder haben sich bei euch daraus vielleicht sogar schon Pläne entwickelt, in welche Richtung entsprechend das nächste Album gehen könnte??

Interessanterweise werden die Songs je nach Land unterschiedlich aufgenommen. Manchmal funktioniert eine Ballade in dem einen Land, im nächsten Land ist es eher eine tanzbare Nummer. Aber Songs, die immer gut ankommen sind ‘Waterfalls’ und ‘Before’, die haben das meiste Tempo. Ich meine, wir sind keine Partyband, sondern unser Publikum kommt eher zu uns, um zuzuhören – bei diesen beiden Songs, bewegt es sich aber auch gut. Unsere Zuschauer sind für mich oft auch schwer einzuschätzen. Manchmal beobachte ich Menschen, die sich keinen Zentimeter bewegen und da frage ich mich natürlich, ob sie Spaß haben. Und genau diese Menschen kommen nach der Show oft zu mir und zeigen mir ihre Begeisterung, das ist wirklich spannend. Das bringt aber unser Genre einfach mit sich, bei uns wird nie jemand Headbangen. (lacht)

Weißt du schon, wie euer Jahr ablaufen wird, was sind die kommenden Pläne??

Wir spielen im Sommer ein paar Festivals. Im Herbst werden wir voraussichtlich nach Amerika reisen und da eine Tour spielen. Ansonsten schreiben wir alle im Moment wie verrückt Songs. Ich habe so wahnsinnig viele Demos auf meinem Laptop und es ist schwierig zu sortieren, welche ich wirklich ausarbeiten möchte. Wir versuchen momentan zu ermitteln, in welche Richtung wir uns entwickeln wollen.

Das klingt schon sehr danach, dass ein neues Album auf dem Plan steht.

Ja, definitiv. In diesem Jahr würde ich gerne noch ein paar Singles veröffentlichen und Anfang nächsten Jahres sollte dann das Album folgen.

Das wären knapp zwei Jahre zwischen den Alben, das hört sich doch toll an. Wenn du von neuen Richtungen sprichst, kannst du mir einen kleinen Einblick geben, wie eure Ideen konkret aussehen??

Ich denke, das kann ich verraten. Wir haben ja sehr minimalistisch angefangen und sind dann immer experimenteller geworden. Es ist immer toll, sich weiterzuentwickeln. Wir sind eine Band, die sich nicht wiederholen möchte. Die Electronic-Szene, in der wir uns bewegen, gibt dir so viele Möglichkeiten und Richtungen, in die du gehen kannst. Und ich möchte mir so viele Türen offen halten, wie ich nur kann. Ich habe einerseits einige fröhliche, schnellere Nummern geschrieben, also könnte es auch etwas weiter in den Pop rücken.

Gibt es bei der Frage nach den verschiedenen Richtungen auch Diskussionen unter euch?? Kann sich jemand auch nicht mit Pop anfreunden und möchte eher düster bleiben??

Ich selbst hatte lange ein bisschen Angst davor, den Pop-Stempel aufgedrückt zu bekommen. Aber wir sind nun einmal eine Popband, in gewisser Weise.

Ich habe schon manches Mal gemerkt, dass Pop für viele negativ behaftet ist. Völlig zu Unrecht meiner Meinung nach. Es gibt auch dort so viele Facetten und wundervolle Pop-Songs.

Das stimmt. Für mich wäre es schön, wenn wir einen guten Mittelweg finden könnten zwischen diesem verträumt-mystischen Charakter gepaart mit eingängigen Melodien. Ich möchte auch einfach nicht ängstlich sein: Wenn wir das fühlen, dann machen wir es so.

Merkst du eigentlich nach der Tour, dass deine Stimme auch Erholung braucht??

Ich habe tatsächlich Probleme zwischendurch gehabt. Auf dieser Tour habe ich meine Stimme ein wenig vernachlässigt. Am Anfang war ich so aufgeregt, dass es endlich losgeht und habe meine Stimme stark beansprucht und nach der Hälfte der Tour bekam ich die Quittung und wurde krank. Dann hatte ich ungefähr vier wirklich furchtbare Konzerte. Ich meine, das Publikum war sehr verständnisvoll, als ich ihnen erzählt habe, dass ich erkältet bin, das war auch die Zeit, als es draußen wirklich wahnsinnig kalt war. Aber jetzt mache ich brav meine Atemübungen und es geht wieder.

Erzähl mir doch bitte abschließend, was mich heute Abend bei eurem Konzert erwartet??

Genau kann ich das natürlich nicht sagen. (lacht) Aber du geht auf eine Reise. Wir starten fröhlich und werden dann immer düsterer. Es ist wirklich ein bisschen, wie auf einer Achterbahn. Da ist ganz viel Energie und du durchlebst intensive Momente und ich hoffe sehr, dass die Menschen das mögen werden.

Stellt ihr auch schon neue Songs vor??

Wir werden unser Album spielen und auch ältere Songs von unseren EP’s. Aber tatsächlich auch ein Lied, das wir noch nicht veröffentlicht haben.

Klasse, ich bin gespannt. Dann viel Spaß heute Abend und gute Erholung zu Hause.