Lorde – Melodrama

2013 schickte sie ihr Debüt in die Welt, mehr als drei Millionen Exemplare wurden verkauft. Zwei Grammy’s folgten, die öffentliche Aufmerksamkeit schob sich auf den Teenager. Sie schrieb weiter, steuerte Songs für die Tribute von Panem Reihe bei und zog sich dann in ihre Heimat Auckland, Neusseland zurück. Nun veröffentlicht Ella Marija Lani Yelich-O’Connor ihr zweites Album ‘Melodrama’ und ist erst unverschämte 20 Jahre alt. Doch nicht nur ihre bisherige Musikkarriere lässt Lorde, wie wir sie besser kennen, reifer erscheinen. Bei dem Songwriting dieser bemerkenswerten Künstlerin höre ich immer eine alte Seele zu mir sprechen.

Das erste Album ‘Pure Heroine’ zeigte bereits, dass sie sich von anderen Teenagern unterschied, indem sie darüber sang, Parties und Drogen abzulehnen. Sie war anders, tiefgründiger, liebte es, nicht mit der Masse zu schwimmen, sondern anders zu sein. Und das ist sie in der Tat. Ihr Auftreten, ihr ausdrucksstarkes Gesicht, die tiefe Stimme und ihre Art zu tanzen, all das kann nur ihr zugeordnet werden. Und doch trifft auch einen besonderen Teenager wie Lorde manchmal das ganz normale Gefühlschaos. Ihre Beziehung zu ihrem Langzeitfreund geht in die Brüche und Lorde bestreitet fortan neue Wege. Sie besucht Parties, sie betrinkt sich, sie schreibt Songs über das Alleinsein. Ich möchte das Album an dieser Stelle nicht in seine Einzelteile zerlegen und analysieren. Viel mehr kann ich nur dazu raten, ‘Melodrama’ als Gesamtwerk zu betrachten. Es ist fast spürbar, wie Lorde einerseits tapfer allein voran geht und ihre Freiheit zu genießen beginnt (‘Green Light’, ‘Sober’, ‘Homemade Dynamite’). Doch auch die dunklen und traurigen Momente teilt sie mit, sei es das düstere Wummern der genialen Produktion von Jack Antonoff (fun, Bleachers) oder ihre Art des Gesangs (‘The Louvre’).

Ich fand es schon auf ‘Pure Heroine’ faszinierend, dass die Songs selten einen klassischen Aufbau in Form von Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Bridge-Refrain hatten, sondern vogelfrei die Richtung wechselten, wie es Lorde gefiel. Erst später erfuhr ich, dass sie Synästhetikerin ist, dass sie also Töne in Farben und Formen sehen kann. Noch bevor ein Song komponiert sei, sehe sie das fertige Stück bereits in ihrem Kopf. Nur allzugern würde ich einmal sehen, was sie sieht, wenn ihre Musik läuft. Ich fände es spannend, wenn sie ihre Visionen auf eine Videoleinwand bringen würde und Zuschauer bei ihren Konzerten somit noch tiefer in die Sicht der jungen Neuseeländerin eintauchen könnten. Vielleicht ist ihre Art des Songwritings auch erblich bedingt. Ihre Mama, Sonja Yelich, ist eine Poetin und Vater Vic O’Connor arbeitet als Bauingenieur und wenn man diese beiden Jobs zusammenlegt, dann beschreibt das ziemlich perfekt, wie Lorde klingt.

Die Sonnen- und Schattenseiten des Alleinseins durchlebt Lorde auf ‘Melodrama’. Auf dieser Reise entdeckt man ganz stille Momente (‘Liability’), in denen sich die junge Frau besinnt und reflektiert und dennoch ist das Album insgesamt tanzbarer geworden ohne nach Party zu klingen (‘Supercut’, ‘Perfect Places’). Das Album reflektiert die Welt, in der wir gerade leben ohne allzu politisch zu sein. Lorde erörtert die Gründe des Scheiterns ihrer Beziehung ohne Kitsch. Ich höre dieser interessanten Künstlerin gern zu, lasse mich in ihre Welt entführen und klatsche Beifall vor diesem Gesamtkunstwerk.

 

Tracklist:

Green Light
Sober
Homemade Dynamite
The Louvre
Liability
Hard Feelings/Loveless
Sober II (Melodrama)
Writer In The Dark
Supercut
Liability (Reprise)
Perfect Places