Leoniden (Wolfsburg)

Leoniden - Wolfsburg, Konzertbericht

Noch nie war der Name eines Clubs so Programm wie an diesem Abend. Und ebenfalls noch nie habe ich ein Konzert besucht, das erst um Mitternacht beginnt. Zum Glück ist Freitag und so kann ich mich auf’s Ausschlafen freuen. So sehen das scheinbar auch die anderen Besucher, die entspannt und gut gelaunt in den Sauna-Club schlendern.

Mit jeder Person, die eintritt, scheint die Raumtemperatur um ein Grad anzusteigen und so schwitze ich bereits vor dem ersten gespielten Ton. Während ich mir noch ein Wasser genehmige, schaue ich mich um und bin schon sehr gespannt, wie die Leoniden heute Abend in diesem doch sehr kuscheligen Räumchen ankommen werden. Im Grunde könnten sie auch akustisch spielen, denn Verstärker sind hier eigentlich überflüssig. Auf der Minibühne sind die Instrumente so eng beieinander, dass es mit dem Tanzen schwer werden dürfte für die bewegungsfreudigen Kieler.

Als wäre es nicht schon warm genug, wird es nun auch noch kuschelig; das Konzert ist seit Wochen ausverkauft und jetzt ist es so eng, dass ich mich dankbar an die kühlende Wand in meinem Rücken lehne. Und plötzlich stehen die Leoniden auf der Bühne und ehe Applaus ausbrechen kann, starten sie ein fulminantes Intro, was sich schließlich zum Song ‘Storm’ entwickelt. Und in diesem Moment zieht auch unter den Zuschauern ein Sturm auf. Die Meute kommt in Bewegung und da man so eng aneinander gepfercht steht, bewegt sich der Haufen wellenartig von links nach rechts.

Nach dem zweiten Song ‘Iron Tusk’ ist es heißer, als in einer finnischen Dampfsauna und der Band werden Handtücher gereicht. Wo bin ich denn hier gelandet?! Das ist ja ein heftiger Auftakt, denke ich noch und dann geht es auch schon mit ‘Two Peace Signs’ weiter. Wolfsburg kann feiern, so viel steht mal fest. Und textsicher sind die Leute auch noch. Obwohl der Club so klein ist und ich alles gut überblicken kann, prasseln so viele Eindrücke auf mich ein, dass ich kaum hinterher komme. Da ist dieses feierwütige Publikum, das die Leoniden völlig gerechtfertigt abfeiert. Dann höre ich in jeder kurzen Spielpause das Japsen und Stöhnen der transpirierenden Menschen um mich herum und dann sehe ich die begeisterten und selbst überrascht scheinenden Musiker vor mir. Bassist J.P., der vor mir spielt, wird leider von einer an der Decke hängenden Box verdeckt, doch ein paar Mal guckt er drunter durch und fragt mich: ‘Was ist denn hier los?!’ Tja, das kann ich auch nicht erklären, aber ich find es richtig gut.

Die Handtücher sind nun auch schon nass und sämtliche Bandmitglieder tropfen die Bühne voll. Ein Zuschauer merkt passenderweise an: ‘Das ist ja schließlich auch nicht der Kühlschrank-Club.’ Nach der ersten Hälfte des Sets fragt Sänger Jakob regelmäßig, ob es allen Anwesenden noch gut geht. Zunächst wird noch euphorisch gejubelt. Nach hinten raus kommen immer mehr erschöpfte Japser. Auch mir fällt das Durchatmen immer schwerer. Es folgt ein richtig gut gelungenes Cover der Sugababes, nämlich ‘Overload’ und auch hier singt der Club amüsiert mit. Steht den Leoniden gut, so ein Mädchen-Popsong. Bei meinem Herzenslied ‘Constant’ kratze ich noch einmal die letzten Kraftreserven zusammen und tanze wild in meinem kleinen Bewegungsradius.

‘Nevermind’ und ‘Sisters’ zeigen erneut, wie laut die Zuschauer sein können und ich bin richtig froh, an diesem Abend dabei sein zu dürfen. Spätestens hier wird mir klar, dass dieses Konzert eines meiner Highlights des Jahres ist. Leider folgt mit Remote der Abschluss, es wurde alles gespielt, was im Repertoire der Band zu finden war. Umso mehr freue ich mich auf ein neues Album und neue Touren. Ich werde auf jeden Fall wieder dabei sein. Bis dahin wünsche ich den Leoniden einen wundervollen Jahresabschluss und auch Zeit zur Erholung. Ich bin nämlich nach dem einen Abend schon fix und fertig, Respekt, dass sie immer wieder mit so viel Energie auf die Bühne springen!!