Leoniden – Again

‘Again’ heißt das zweite Album der Leoniden, also ‘wieder/nochmal/abermals“ auf deutsch übersetzt. Und tatsächlich schaffen es die Kieler, mich mit ihrer Musik erneut zu überzeugen. Der erste Titel ‘River’ allein haut mich komplett um – Frauen-Chor: Check. Streicher: Na klar. Dramatisches Finale: Oh yeah; erinnert mich mit diesem viel zu viel zu viel von allem an das hoch verehrte ‘Showbiz’-Album von MUSE. Was für ein Einstieg. Dagegen steht dann das sanfte Gitarren-Intro von ‘Kids’. Aber genau das macht den Reiz der Leoniden aus. Kein Song klingt wie der andere. Da ich mich selbst gerne durch die verschiedensten Genre höre, gefällt mir der stete Stilwechsel der Band. Was aber nicht bedeutet, dass es keinen typischen Leoniden-Sound gibt. Der Chor gehört mittlerweile schon so fest dazu, wie die Cow Bells und natürlich ist der Gesang von Jakob Amr ziemlich markant. Er passt sich den Stilrichtungen perfekt an: Eben noch Falsett, im nächsten Moment wird geshoutet – er bewegt sich scheinbar spielerisch zwischen Justin Timberlake und Chester Bennington.

Wie sie neben all den Touren und Festivalauftritten überhaupt so ein Album abliefern können, bleibt mir ein Rätsel. Von außen betrachtet rast das Quintett seit ca. zwei Jahren pausenlos von einem Abenteuer zum nächsten, füllt nach und nach immer größere Hallen und versprüht live unermüdlich Energie und Lebensfreude. Trotzdem scheint noch Zeit zur Reflexion zu bleiben, denn man hört ‘Again’ an, dass es neben all der Party auch nachdenkliche Momente gibt, in denen Unsicherheit aufkommt, Beziehungen aufrecht zu erhalten und zu pflegen scheint fast unmöglich bei dem Leben (‘Why’/’Colorless’) und in der Folge gibt es auch Zukunftsängste (‘People’). Und dann fühle ich mich ihnen -aus derselben Generation heraus- verbunden. So unterschiedlich der Alltag von Band und Hörerschaft auch sein mag, am Ende des Tages sind die Leoniden herrlich bodenständig geblieben. Auf dem Papier sind wir schon längst erwachsen, doch wäre ein Handbuch des Lebens hier und da echt hilfreich und noch immer ist der jugendliche Wahnsinn nicht komplett abgelegt.

Durch ihre Do it yourself-Handhabe haben sie sich außerdem jeden Plattenverkauf, jedes Konzertticket selbst erarbeitet und das macht sie zusätzlich noch äußerst sympathisch. A propos Konzertticket: ‘Not Enough’ schreit förmlich: LIVE und ich kann es kaum erwarten, zu diesem Song zusammen mit anderen feierwütigen Zuschauern zu tanzen, ein ganz großartiger Song. Sowieso sind die Leoniden live immer noch eine Schippe intensiver, besonders ihre instrumentalen trance/elektro-artigen Filler feiere ich jedes Mal ab. Eine kleine Kostprobe davon geben sie am Ende von ‘One Hundred Twenty-Three’. Aber ich habe generell den Eindruck, dass die Leoniden auf ihrer Dauer-Tour genau herausfinden konnten, was live gut funktioniert und auf was die Zuschauer speziell reagieren.

Viel zu schnell für meinen Geschmack endet ‘Again’ nach zehn Songs. Danke übrigens für den Frauen-Chor Ohrwurm aus ‘Slow’ den ich seit Tagen mit mir herum schleppe. Und während ich das schreibe, summe ich schon wieder vor mich hin. Aber ehrlich gesagt sind Leoniden-Ohrwürmer immer schön, weil ich mit ihnen tolle Erinnerungen verbinde und Vorfreude entwickele: Auf Konzerte und Festivals, auf Singen und Tanzen, auf Alltag aus und Feiern an. Again und again und again.