Kraftklub – Keine Nacht Für Niemand

Wo Kraftklub drauf steht, ist auch Kraftklub drin. Das sei vorab gesagt und das Album sollte damit für die Band eine sichere Bank sein, denn ihre Fans werden bei ‘Keine Nacht Für Niemand’ viele vergnügliche Momente erleben.

Was mir bereits beim Opener ‘Band Mit K’ klar wird: Dieser Track fasst alle Elemente zusammen, die Kraftklub ausmachen. Es ist diese Mischung aus rockig poppigem Refrain, den Indie-Gitarren sowie dem Sprechgesang von ‘Rapper’ Felix. Und ich benutze absichtlich Anführungszeichen, denn eindeutig kann man nur sagen, dass es kein festes Genre ist, das die Jungs bedienen. Vielmehr haben Kraftklub einen Stil entwickelt, der sich aus vieler beliebter Elemente verschiedener Genre bedient und ich frage mich, ob es schon einmal zur Debatte stand, den Musikstil ‘K’ zu kreieren. Wenn nicht, dann möchte ich darauf hinweisen, dass hier der Geburtsort von ‘K’ liegt. Witzig auch, dass sie die Genre-Thematik auf ‘Venus’ aufgreifen.

Mittlerweile ist mir der Moment, an dem ich ein Kraftklub-Album höre, richtig ans Herz gewachsen. Ich freu mich vorab auf die neuen Ohrwürmer und ertappe mich stets und ständig beim Lächeln und/oder Nicken zum Takt. Die Mischung aus völliger Selbstüberschätzung (wie bei ‘Band Mit K’) und nur einen Track später Selbstbeleidigung klingt paradox, aber in der Mitte liegt wohl wie immer die Wahrheit. Fakt ist, dass Kraftklub seit Jahren riesige Hallen ausverkaufen und bei Festivals immer wieder ein gern gesehener Gast sind. Und mir gefällt, dass die Band textlich immer nah vom Schauplatz des Geschehens berichtet. Ich stelle es mir verrückt vor, aus Sachsen zu kommen (ich denke ich darf das sagen, als gebürtige Sachsen-Anhaltinerin) und plötzlich der Hottest Shit der deutschen ‘K-Szene’ (Zack, und etabliert!) zu sein. Die Gefahr zu überhitzen und letzten Endes einen Knall zu kriegen, ist nicht zu unterschätzen. Aber ich habe auch bei ‘Keine Nacht Für Niemand’ den Eindruck, dass die fünf Herren mit der Situation klarkommen. Gerade weil sie so aufgeräumt von den Schattenseiten berichten, die sie mit wachem Auge beobachten (Chemie Chemie Ya’, ‘Liebe Zu Dritt’). Auch wenn ich selbst nicht dabei bin, so meine ich heraus zu hören, dass immer weiter, immer höher, immer größer, immer higher, immer wacher nicht der Anspruch der Band ist. Sie sehen es, sie schauen sich ihre Umwelt über einen längeren Zeitpunkt an und dann erst bewerten sie und unter’m Strich scheint es sich (zum Glück) für sie nicht zu lohnen, diese andere Ebene der Realität zu betreten, auf der sich Künstler (leider) oft tummeln. Ein wenig fühlt es sich so an, als würde der nette Nachbar von nebenan etwas aus seiner verrückten Jugend erzählen, verrückt eigentlich, dass Frontmann Felix so abgeklärt und von außen auf die Dinge gucken kann.

Auf dem dritten Album der Chemnitzer gefallen mir besonders die härteren, rockigeren Gitarren, weil sie mir persönlich schon große Vorfreude auf das nächste Kraftklub-Konzert machen bereiten. A propos Konzerte: Dort tummeln sich erfahrungsgemäß sehr viele Mädchen und auch sie kommen bei ‘Keine Nacht Für Niemand’ nicht zu kurz. Die Band macht das psychologisch schon sehr geschickt, ähnlich, wie mir das bei Cro auch immer auffällt. Es wird über die Eine geschrieben. Die, nach der sich verzehrt wird, die so special ist, weil sie eben auf alles Übertriebene pfeift und so herrlich normal ist. Die, die den Mann gar nicht verdient hat. Die, die zu Hause sitzt und nach der sich der Mann im Tourbus heißblütig sehnt und insgeheim hängen die Mädels zu Hause sabbernd vor’m Verstärker und hoffen, dass die Texte ihnen und nur ihnen gelten (‘Leben Ruinieren’, ‘Am Ende’, ‘Fan Von Dir’).

Und dann ist da noch der Aspekt Sozialkritik. Dafür kann ich Kraftklub erneut nur Tribut zollen, indem ich anerkennend nicke, das sieht zwar grad keiner, aber ich nicke wirklich. Die Vorab-Single ‘Fenster’ steht textlich wieder bärenstark da. Wie nett, dass auch auf diesem Album Die Ärzte wieder zitiert werden, die Älteren unter unseren Lesern werden sich vielleicht noch erinnern, wenn sie ‘Sklave’ hören. Überhaupt sind die Kooperationen mit Sven Wegener und Farin Urlaub ein echtes Schmankerl für die reiferen Hörerinnen und Hörer.

Der Spaß kommt trotzdem nicht zu kurz. Auch wenn Songs wie ‘Hausverbot’ allmählich auserzählt sind, live werden sie aber ordentlich für Stimmung sorgen. Spannend wird auch, wie die Fans ‘Dein Lied’ live aufnehmen werden, denn Pogen ist da nicht angesagt, aber wenn das Publikum textsicher ist, kann die Nummer gut werden, auch wenn sie mich so auf dem Album nicht vollends überzeugt. Ach Freunde, in der Summe ist ‘Keine Nacht Für Niemand’ genau das, was von Kraftklub erwartet wird und wie ich eingangs bemerkte, sind sie sich und ihrem Stil treu geblieben. Und das finde ich beruhigend und erfreulich zu gleich.