Kosmonaut Festival 2018

Kraftklub

Ich melde mich zurück aus dem Weltraumzentrum Karl-Marx-Stadt. Zwei Tage lang herrschte im und am Stausee Rabenstein ein reges Treiben. Das Kosmonaut Festival konnte in seiner sechsten Auflage durch fabelhaftes Wetter und eine hervorragende Organisation überzeugen. Es gibt so viele Punkte, die dieses Wochenende geprägt haben; ich werde versuchen keinen unerwähnt zu lassen.

Der Einlass verlief zügig, was nicht selbstverständlich ist, da die Ordner gut zu tun hatten. Ungefähr die Hälfte der Zuschauer war minderjährig und musste deshalb entsprechende Dokumente vorlegen, um überhaupt auf das Gelände zu kommen. Und dennoch kam nie Stress oder Unmut auf. Im Gegenteil, am Samstagmittag hatten wir ein Geburtstagskind unter den Anstehenden und sangen im Kollektiv „Wie schön, dass du geboren bist.“ Es gab allerdings an diesem Tag auch noch ein weiteres Geburtstagskind. Dazu später aber mehr.

Das Gelände an sich ist schon eine Augenweide und nach ungefähr zehn Sekunden war ich im Urlaubsmodus. Es gab so viel zu sehen, etliche Dekorationen und lustig beschriftete Schilder. Eine ganz süße Idee war der Pilgerpass, den man mit seinem Ticket bekam. Ziel bei ihm war es, zehn Stempel zu finden, die auf dem gesamten Areal versteckt wurden und damit seinen Pass auszufüllen. Dadurch liefen die Besucher auch an Plätzen lang, die sie sonst nicht gesehen hätten. Zusätzlich kam man an den Stempelstationen miteinander ins Gespräch, wenn man die noch fehlenden Orte verglich und sich Tipps geben konnte.

Musikalisch war das Line-up so bunt gefächert, wie seine Besucher. Ich kannte viele Künstler vorab nicht und wollte deshalb so viele Eindrücke wie möglich sammeln. Das hatte zur Folge, dass ich auch ordentlich Kilometer an beiden Tagen machte, denn die Haupt- und die Atomino-Bühne lagen jeweils zehn Gehminuten auseinander. Aber auch dazwischen war viel los: Da war zum einen der Siggi, ein kleiner Bauwagen, idyllisch unter einem Baum abgestellt. Dort legten den ganzen Tag über DJ’s auf und wann immer ich dort lang kam (und das war oft), tanzten Besucher ausgelassen im Schatten des Baumes. Vor der Wortbühne konnten sich Zuhörer in den Sand eines Beachvolleyballfeldes setzen. Die Aftershow-Bühne war aufgebaut wie eine Autowaschanlage und da war ich am Samstag ganz überrascht. Ich war nämlich gerade wieder einmal auf dem Weg zur Hauptbühne, als ich K.I.Z: auf der „Cosmo Wash“ erkenne. Später finde ich heraus, dass sie mit Canibal Rob und MC Bleistift unter dem Namen Verbales Stylekollektiv auftraten.

Eine kleine Bühne in Form eines überdimensionalen Fernsehers „sendete“ am Freitag ein paar Episoden Herzblatt, ganz klassisch wie früher – inklusive Susi, die die Kandidatinnen und Kandidaten immer sehr amüsant zusammenfasste. Am Samstag kamen dort dann die Bingo-Freunde auf ihre Kosten. Über Nacht wurde aber nicht nur im Fernseher umgebaut. Der Kosmonautschriftzug am anderen Ende des Sees wurde am Samstag von den beiden Kraftklub-Händen eingerahmt und ließ die Vorfreude auf den Headliner des zweiten Abends noch weiter in die Höhe schnellen.

Außerdem wurde eine Kosmonaut Minigolfanlage aufgebaut. Sie lag gegenüber vom Wettbüro, wo bis zum Schluss Tipps für den geheimen Headliner entgegen genommen wurden. Dieser war dann für mich persönlich der einzige Wehrmutstropfen an diesem sonst perfekten Wochenende. Dort gab es dieses Mal nämlich nicht nur einen Headliner, sondern insgesamt fünf: RIN, Bausa, Haiyti, Cro und dann als Duo für einen Song Marteria & Casper. Letztere kündigten gleichzeitig ein gemeinsames Album für August an. Der Großteil der Besucher hatte auf Die Ärzte gehofft, was an den unzähligen Fanshirts zu erkennen war, die am Freitag getragen wurden. Marteria & Casper oder Cro wären an sich als Headliner auch vertretbar gewesen, aber zusammen haben die drei auch tatsächlich nur drei Songs gespielt. Ein Headliner spielt aber eher eineinhalb Stunden. Und die ersten drei Rapper waren für die Hälfte der Besucher auch nach dem Lüften des Vorhangs noch geheim, weil unbekannt. Dadurch verließen viele Zuschauer auch frühzeitig das Gelände. Ich verstehe die Idee hinter dem Projekt, aber die Umsetzung empfand ich unglücklich.

Am nächsten Tag war der Unmut aber weitestgehend verflogen, denn auch am Samstag hielt das sonnige Wetter und musikalisch konnte das Kosmonaut noch eine Schippe drauf legen. Milky Chance spielte in den Sonnenuntergang und Kraftklub lockten dann gefühlt alle Besucher an die Hauptbühne. Da wurde es dann zum ersten und einzigen Mal richtig eng und das viele Tanzen und Hüpfen wirbelte ordentlich Staub auf. In der Pause vom Song „Eure Mädchen“ betrat ein Kosmonaut die Bühne und überreichte Sänger Felix unter allgemeinem Happy Birthday Gesang eine Geburtstagstorte. Ein weiteres Highlight war „Die Gang“ – eine Gruppe junger Mädels, die zu einigen Songs von Kraftklub Choreografien ausgearbeitet hatten und so das Bühnenbild enorm bereicherten. Das sah richtig cool aus!! Kurz nach Mitternacht zog ich staubig, verschwitzt und selig grinsend mit den anderen Besuchern zum Ausgang. Danke Kosmonaut, schön war‘s. Ein paar Eindrücke habe ich in der Bildergalerie zusammen gefasst.