FOURS

Ich habe bei der Vorbereitung auf dieses Interview festgestellt, dass es nicht sehr viele Informationen über euch im Internet zu finden gibt. Was ich recherchieren konnte ist, dass ihr aus London kommt, dass eure ersten Songs 2015 erschienen sind und dass Edith vorher als Solokünstlerin unterwegs war.

Edith: Ja, das stimmt. Vor ‘FOURS’ habe ich zunächst mit den Jungs unter meinem Namen Edith Violet für ein paar Jahre Musik gemacht. Aber dann haben wir den Stil etwas verändert und uns in FOURS umbenannt.

Wie habt ihr euch überhaupt kennengelernt??

Luke: Du hast Dan 2014 getroffen, oder??

Edith: Ja, genau. Ich habe da bereits allein Auftritte gehabt und traf auf Dan, unseren heutigen Gitarristen und er wollte unbedingt Musik mit mir machen. Also versuchten wir ein paar Bandmitglieder zu rekrutieren und zu einer unserer Auditions kam Luke. Aber zu diesem Zeitpunkt besaßen wir kein Schlagzeug. Wir trafen uns also und ich mochte ihn gern und sagte: „Ich will dich. Auch, wenn ich nicht weiß, ob du überhaupt Schlagzeug spielen kannst.“

So nach dem Motto: „Bitte lass ihn gut sein?!“

Edith: Ja, genau so war das!! (lacht) Er war einfach nett, jung und freundlich und dann war klar, dass wir ihn nehmen. Und glücklicherweise kann er tatsächlich spielen. (lacht) Es bewarb sich aber kein Bassist. Luke lebte aber mit Jezza, unserem Bassisten, zusammen und meinte: „Ich kenne einen Bassisten, er wohnt bei mir.“ Und wir sagten: „Bring ihn an Bord!!“ und dann waren wir komplett.

Luke: Schon seltsam. (lacht)

Edith: Ja, es war einfach Zufall, wir waren Fremde, die auf diese Art zusammen gekommen sind.

Wusstet ihr von Anfang an, was für Musik ihr machen wollt oder habt ihr verschiedene Stile ausprobiert??

Luke: Wir haben schon ein bisschen herum experimentiert. Am Anfang waren wir ziemlich folkig, oder?!

Edith: Ja, das war ungefähr ein Jahr so, dass wir eine größere Band hatten.

Luke: Stimmt, mit Streichern und Bläsern. Da war es noch ein ganz anderer Sound. Aber es war auch echt schwer, weil wir so viele waren und es war beinahe unmöglich einen Zeitpunkt zu finden, an dem alle acht Leute proben konnten. Meist haben nur wir vier zusammen gesessen und an Songs geschrieben und die anderen dazu geholt, wenn es um die Umsetzung ging. Und irgendwann haben wir festgestellt, dass es mit uns vieren eh am besten funktioniert.

Edith: Ja, unser Sound veränderte sich und wir merkten, dass wir Streicher und Bläser einfach nicht mehr brauchten. Das war eine ganz natürliche Entwicklung, hin zum Pop, tanzbarer und leichter.

Nun sind eure Texte aber sehr persönlich und auch teilweise traurig. Du singst über schwierige Beziehungen, Differenzen zwischen Mann und Frau. Ihr kennt euch als Band aber noch gar nicht so lange. Ist es dir schwer gefallen, den Jungs deine Texte vorzustellen??

Edith: Ja, tatsächlich war ich ein bisschen schüchtern am Anfang. Und nach wie vor kann ich keine Texte vor anderen Leuten schreiben. Es fällt mir leichter, den Jungs die ganze Geschichte zu präsentieren, also erst zu ihnen zu gehen, wenn der Song wirklich fertig gestellt ist. Aber zum Glück haben sie mich nie für meine Texte ausgelacht. (lacht)

Luke: Nein, es sind ja auch gute Texte!!

Das erste Mal habe ich Edith im Musikvideo zu ‘World Of Joy’ von To Kill A King gesehen.

Edith: Oh, wirklich?! Wow, das ist schon ewig her.

Und als ich vor ein paar Wochen in London beim To Kill A King Konzert war und ihr eröffnet habt, da wusste ich, dass ich das Gesicht schon einmal gesehen habe.

Edith: Du warst da?? Ach, das war so ein schöner Abend!!

Absolut. Und gefühlt war ich umringt von euren Freunden und Familien. So ein familiäres Ambiente hab ich bei einem Konzert noch nicht erlebt.

Edith: Ja, das war echt süß. Meine Eltern saßen oben auf dem Balkon und waren ganz aufgeregt. Und irgendwann bemerkten sie, dass sie neben Josh’s (Schlagzeuger von To Kill A King) Papa und den Eltern von Ralph (Sänger von To Kill A King) saßen. Also alle unsere Eltern waren da oben und das war wirklich schön. Und unser Konzert hat wahnsinnig viel Spaß gemacht.

Das kann ich nur zurück geben. Ich war so hin und weg, dass ich mir zu Hause in Deutschland gleich alle eure Songs gekauft habe und höre sie seitdem ständig.

(alle lachen)

Es besteht ja auch eine freundschaftliche Bindung zu To Kill A King, richtig??

Edith: Ja, ich kenne Ralph schon ungefähr zehn Jahre. Er ging mit meinem Bruder zusammen zur Uni und dadurch lernten wir uns kennen. Später habe ich dann auf ein paar seiner Platten Songs mit eingesungen. Und als ihr zweites Album erschien, habe ich mit ihnen ein paar Konzerte und Festivals gespielt. Und so lernten wir uns sehr gut kennen.

Holt ihr euch dann auch Tipps unter Kollegen oder trennt ihr das strikt??

Edith: Wir fragen sie ständig nach Sachen aus!!

Jezza: Besonders, wenn es um das Aufbauen der Instrumente für ein Konzert geht. Oder darum, wie wir die Geräte richtig bedienen, so Techniksachen einfach. Bei allen musikalischen Problemen gehen wir zu ihnen und sagen: „Das ist uns passiert. Hattet ihr das auch schon einmal?? Wie können wir es reparieren??“ (lacht) Das ist echt hilfreich.

Edith: Ich denke, da kann dir jeder so eine Geschichte erzählen. Gestern Abend zum Beispiel kam Ralph zu mir und ich erzählte ihm von einem technischen Problem, das wir hatten und er meinte nur: „Ach ja, das passiert bei uns auch ständig. Aber das merkt im Publikum niemand. Macht euch keine Sorgen.“ Das ist einfach die Hilfe, die sich Musiker untereinander gern geben.

Nach den sieben Songs, die ihr bereits veröffentlicht habt stellt sich mir natürlich die Frage, ob ihr Pläne habt für eine EP oder vielleicht sogar ein Album?!

Dan: JA!! In diesem Jahr würden wir gerne zumindest eine EP veröffentlichen. Das wäre toll, wenn uns jemand genügend Geld dafür zur Verfügung stellt…(lacht)

Edith: Ja, wir arbeiten auch an einem Album…

Dan: Im Moment befinden wir uns in der Schreibphase.

Jezza: Ich denke, es läuft auf ein Album hinaus…

Dan: Ja, auch mit all unseren Singles…

Luke: Wir wollen es nur wirklich perfekt machen. Und das hält uns momentan ein bisschen auf, weil es echt knifflig ist. Wir hören oft den Wunsch von Leuten aus unserem Umfeld, dass wir endlich ein Album veröffentlichen sollen. Und glaub mir: Wir wollen noch viel dringender ein Album aufnehmen, als ihr eins hören wollt. Es ist aber echt schwer, ich wünschte, wir könnten einfach was aufnehmen…

Edith: Und zusätzlich bin ich auch noch eine langsame Schreiberin. Das ist noch ein weiterer Grund. (lacht)

Aber die Musik schreibt ihr ja alle zusammen?!

(alle nicken)

Wie lange dauert es denn bei euch, eh ihr einen Song fertig habt?? Könnt ihr vielleicht einen Schnitt bestimmen, wie viele Songs ihr in einem Jahr oder einem Monat schreibt??

Luke: Wir schreiben echt viel…

Jezza: Wir haben vielleicht sechs Demos zusammen, plus sieben Songs, die wir bereits veröffentlichen konnten.

Luke: Dan schreibt…

Edith: die ganze Zeit.

Luke: Er hat viele Ideen. Wir müssen die Songs nur fertig kriegen. Und das ist das Problem; wir haben ganz viele halbe Songs rumliegen.

Jezza: Wir versuchen einfach die Balance hinzubekommen. Es soll schon unser Stil erkennbar bleiben, so wie bei den Singles. Wir wollen nichts komplett anderes machen. Und deshalb bleiben manche Demos eine Zeit lang liegen und irgendwann kommen wir auf sie zurück und feilen weiter dran rum.

Wann habt ihr denn überhaupt angefangen, Instrumente zu spielen?? Habt ihr das richtig gelernt auf einer Musikschule oder habt ihr es euch selbst beigebracht??

Edith: Ja, die Jungs waren auf Musikschulen; ich nicht. Und ich spiele auch ganz gerne Gitarre, bin aber nicht wirklich gut darin. Ich singe einfach schon seit ich denken kann. Glücklicherweise musste ich das nie lernen, ich habe einfach immer und überall gesungen – wie man das eben tut, wenn man das Singen liebt.

Jezza: Und wir sind zusammen auf’s Musik-College gegangen. Wir haben immer in unterschiedlichen Bands gespielt, als wir jünger waren und haben uns im letzten Moment dazu entschieden, Musik zu studieren.

Dan: Wir haben immer verzweifelt versucht, in einer Post-Hardcore-Band zu spielen.

Jezza: Du bist in den letzten drei Tagen eindeutig zu lange Tourbus gefahren.

(alle lachen)

Was mir an deiner Art des Gesangs gefällt ist die Tatsache, dass du selbst schwierige Themen mit Selbstbewusstsein vorträgst. Wenn du Probleme in einer Partnerschaft beschreibst, dann klingst du nie unsicher oder verletzlich, sondern stark und selbstsicher. Machst du das bewusst oder ist das einfach deine Art zu singen??

Edith: Um ehrlich zu sein ist das einfach mein Versuch, ein bisschen anzugeben. Ich singe immer auf eine starke Art und Weise, aber das ist auch einfach der Stil, in dem ich schreibe.

Jezza: Eigentlich ist sie eher ruhig und zurückhaltend.

Edith: Richtig, im wahren Leben schreie ich niemanden oder irgendwas an.

Jezza: …aber beim Gesang…

Luke: ..wenn du wirklich mal schreist, dann wissen wir, dass uns Ärger blüht.

(alle lachen)

Edith: Genau. Das ist für mich eine Möglichkeit, mich frei auszudrücken.

Mir gefällt das sehr, weil du dich damit von anderen Sängerinnen unterscheidest. Viele Künstlerinnen, die im Radio zu hören sind, singen darüber, wie verletzlich sie sind und wie sie unter Trennungen leiden. Dagegen sagst du in deinen Songs ganz klar: „Was ist dein Problem?? Nimm mich gefälligst so, wie ich bin!!“ Und das ist doch ein gutes Statement, an dem sich vielleicht auch eure Hörerinnen orientieren wollen.

Edith: Vielen Dank. Das hat noch nie jemand zu mir gesagt; das ist wirklich schön zu hören.

Was sind denn eure weiteren Pläne für dieses Jahr, wollt ihr weitere Konzerte oder Festivals spielen??

Edith: Ja, wir haben ein paar Festivals auf dem Plan. Diesen Mittwoch spielen wir eine Headline-Show in London, was ziemlich beängstigend ist, da wir an diesem Tag erst von Berlin aus nach Hause fliegen. Wir sollten den Flug gut nutzen, um unsere Nerven zu beruhigen. Ich meine, hier jetzt To Kill A King zu supporten, ist natürlich besser als jede Bandprobe.

Jezza: Wir proben praktisch jeden Abend. Hauptsache, wir verlieren nicht unser Gepäck bzw. unsere Instrumente auf dem Flug. (lacht)

Edith: Stimmt. Und ich hoffe natürlich, dass meine Stimme bis dahin durchhält. Und danach würden wir gerne noch eine Tour spielen. Wir möchten so gerne zurück nach Deutschland, das war einfach so nett. Es war sowieso unser Plan, dieses Jahr hier zu spielen.

Habt ihr denn zum ersten Mal in Deutschland gespielt??

Edith: Ja!! Ich war noch NIE in Deutschland!! Ich kann es selbst nicht glauben, schließlich ist es so nah an unserem zu Hause. Und das Publikum war überall freundlich und toll, deshalb möchten wir wirklich gern wieder kommen. Vielleicht klappt es nach einer Tour durch England. Wir wollen da erst noch ein paar Wochen spielen, ob als Support oder als Hauptgruppe, wissen wir noch nicht. Aber wenn das klappt, wäre das wirklich toll.