Finn Andrews – One Piece At A Time

Da ich schon zu meinen Teenagerzeiten eine Vorliebe für melancholische Musik hatte, kam ich natürlich nicht an The Veils vorbei. Ihr Album ‘The Runaway Found’ lief vor rund fünfzehn Jahren durch mein Kinderzimmer. Besonders die Stimme von Finn Andrews überzog jeden Song mit einer Traurigkeit, die mich damals schon sehr faszinierte.

Im Laufe der Jahre sammelte Andrews Songideen, die er bei The Veils nicht verarbeiten konnte. Seine letzte Beziehung ging in die Brüche und der charismatische Sänger verließ London und ging zu seiner zweiten Heimat zurück: Neuseeland. Dort entstand ‘One Piece At A Time’ – ein Album, dem man die unendliche Weite und Isolation anhört, in die sich Andrews bewusst zurückzog.

Es ist kein sanfter Einstieg für das Album gewählt worden, vielmehr werde ich bei ‘Love, What Can I Do?’ in einen großen See der Melancholie gezogen und mir wird schwer ums Herz. Doch direkt im Anschluss folgt eins meiner Lieblingslieder der Platte: ‘Stairs To The Roof’. Die Klaviermelodie, der mehrstimmige Gesang, hier fühle ich mich so richtig wohl. Auch das darauffolgende ‘The Spirit In The Flame’ wickelt mich mit seinem eingängigen Refrain schnell um den Finger.

‘One By The Venom’ ist der dynamischste Song auf ‘One Piece At A Time’ mit seinem Klatschen und Trommeln. Andrews Stimme erinnert mich zwar noch immer an The Veils, aber das Songwriting ist sehr individuell und ich finde es äußerst spannend, dass reine Soloprodukt zu erforschen. Mir gefällt die Ruhe und Gelassenheit, die mit jedem Song übertragen wird. Es scheint während der Aufnahmen keine Hektik oder Deadline-Stress gegeben zu haben. Und seltsamerweise hört man sogar die Heimatländer von Andrews aus dem Songwriting heraus: Die eingängigen Melodien sind typisch für die Künstler aus Großbritannien, die unkonventionellen Arrangements und Einschläge ordne ich dem exotischen Neuseeland zu.

Viel zu schnell bin ich bei ‘Don’t Close Your Eyes’ angelangt und schon werde ich aus dieser gemütlichen Blase aus Melancholie und Träumerei wieder entlassen. Am Ende bleibt mir nur zu hoffen, dass Finn Andrews noch viele seiner gesammelten Songideen vertonen wird. Bis dahin koche ich mir eine frische Kanne Tee auf und starte ‘One Piece At A Time’ erneut.