Das Bo (Fünf Sterne Deluxe)

Was bedeutet es euch, das Docks an zwei Abenden auszuverkaufen??

Das ist echt schön, weil wir auch genau mit so einer Doppel-Docks-Show aufgehört haben damals und es ist toll, da wieder anzuknüpfen, wo man geendet hat. Und nächstes Jahr bei den Festivals wollen wir das natürlich noch weiter bringen.

Wie schafft ihr es nach wie vor so frisch zu texten, obwohl ja mittlerweile schon die nächste Generation Fans vor eurer Bühne steht??

Wir sagen das einfach so, wie wir uns fühlen. Ich glaube, dass es überall so ist, dass eher eine ehrliche Art akzeptiert wird, als wenn man sich verstellt oder anbiedert. Wir haben da unseren eigenen Flash und so passt das. Wir tun ja auch nicht so, als wären wir 20, sondern wir sind halt so alt wie wir sind und machen das, wie wir es machen und haben dabei immer noch geile Gefühle und haben da noch Energie für. Alles andere müssen die Leute entscheiden, aber wenn man sich auf uns einlässt, dann ist das schon ein intensives Ding, was wir da machen.

Bist du selbst Fan von einer Band oder einem Künstler; kann dich selbst auch noch jemand richtig flashen??

Ich bin da offen und finde Entwicklungen geil. Aber ich habe auch gemerkt, dass die Kids heutzutage gar nicht wissen, dass wir aus einer Zeit kommen, in der Hip Hop eine Subkultur war. Das war unsere Ecke, unsere kleine Nische, in der wir uns getroffen und Gleichgesinnte gesucht haben. Für viele ist es heute ganz normal, dass Hip Hop und Rap da ist und deshalb hat es auch gar nicht mehr so eine eigene, unabhängige Identität, sondern es ist mittlerweile Mainstream. Wir finden das natürlich schön, weil die Musik, mit der wir aufgewachsen sind, damals ganz klein war und niemand wollte sie hören. Damals sagten die Leute, es klingt alles total gleich, heute klingt es tatsächlich alles ziemlich gleich. Aber es sind trotzdem ganz viele Menschen daran interessiert. Und ich glaube, dass deutscher Hip Hop allgemein die deutschsprachige Musik erst wieder salonfähig gemacht hat in den Neunzigern. Wir haben die deutsche Sprache einfach so hingebogen, wie wir sie haben wollten und viele von den Künstlern, die heute erfolgreich sind mit deutscher Musik, sind mit diesem Hip Hop aufgewachsen. Für die ist das normal, die haben darauf eine andere Sichtweise und das finde ich ganz interessant.

Wobei du in meinen Augen den Hip Hop gar nicht unbedingt repräsentierst, weil du viel zu sehr Entertainer und bunter Vogel bist. Da würde man dich eher der Pop-Ecke zuordnen.

Hip Hop hat mich aber auf jeden Fall zu dem gemacht, der ich bin. Das war wie gesagt die Subkultur, ich habe Gleichgesinnte gefunden, besondere Zeiten erlebt. Wir sind für Fahrtgeld zu Konzerten gefahren, haben privat irgendwo gepennt. Das hat mich geprägt. Ich finde es schön, wenn Menschen friedlich aus aller Herren Länder zusammen kommen und einen wunderbaren Moment miteinander erleben. Und wenn das flasht, weil wir ein Konzert spielen mit einer geilen Show, dann geht es einfach nicht besser. Das ist heutzutage wahrscheinlich noch mehr ein Statement, als es das jemals zuvor war.

Kannst du andere Konzerte entspannt besuchen und als Zuschauer genießen, oder bist du im Kopf immer Musiker und überlegst, wie die Künstler das auf der Bühne umsetzen oder welche Effekte sie benutzen??

Nö, da bin ich eher Genießer. Ich gehe auch gerne mal zu einem großen Ami-Act, wenn er mit seiner heftigen Show herkommt. Da bin ich relativ offen und nicht so überkritisch. Es ist aber schon interessant zu sehen, dass viele der Nachwuchskünstler relativ schlecht performen, was beim Publikum heute aber nicht mehr so essentiell ist. Es ist eine interessante Entwicklung, dass oft von den Künstlern wenig kommt, aber die Crowd so hart angezündet ist auf den Sound, dass sie selbst die Energie rein bringt.

Welche Alben waren denn in 2017 deine persönlichen Highlights??

Ich bin da ganz schlecht, weil ich tatsächlich jemand bin, der kein Internet hat. Von daher habe ich keine Dauerrotation oder Spotify-Zugriff. Da bin ich noch autark und habe eher Leute um mich herum, die verschiedenste Musikrichtungen hören und mit denen treffe ich mich regelmäßig oder hänge mit denen ab und die spielen mir was vor, was gerade aktuell ist. So bekomme ich durch direkte Kommunikation meine Informationen.

Du arbeitest momentan ja Vollzeit an Fünf Sterne Deluxe, spielst auch, wie schon erwähnt, nächstes Jahr in dieser Formation bei vielen Festivals. Du bist aber generell ja vielseitig unterwegs, arbeitest sowohl mit anderen Künstlern zusammen als auch solo, bist im Fernsehen zu sehen etc. Läuft das auch noch parallel weiter oder liegt der Fokus gerade ausschließlich bei Fünf Sterne Deluxe??

Ich muss das machen, ich muss diesen kreativen Wahnsinn, der in meinem Kopf immer stattfindet, in bestimmte Bahnen lenken. Es ist natürlich auch immer schön, mit verschiedenen Leuten was zu machen und ich bin ja auch kunstinteressiert. Kreativität hat für mich keine Grenzen, deshalb wird im nächsten Jahr bestimmt noch sehr viel mehr zu sehen sein.

Ich versuche immer auch ein bisschen mehr über den Menschen herauszufinden, mit dem ich spreche. Das ist bei dir speziell aber ganz schwer. Du bist für mich wie ein Chamäleon, modisch gesehen fast die Madonna des Hip Hop.

Aber das ist alles ein Teil von mir. Ich bin eben nicht so ein typischer Typ und will mich auch gar nicht reduzieren auf eine Sache. Deswegen mache ich alles was ich fühle und worauf ich Bock habe. Deshalb wirke ich vielleicht nicht so konstant, weil man mich eben nicht in eine bestimmte Schublade packen kann. So ist es für mich aber auch einfacher, immer weiter zu machen, da ich nie nur ein Stadium bedient habe, was dann irgendwann vorbei ist. Es wird also noch einiges passieren. Ich habe zum Beispiel noch eine Live-EP raus gebracht, bevor das Album kam. Die EP heißt ‘Auf Jeden Fall Vielleicht’, die kann man sich auch mal anhören. Das war ein Soloalbum mit einer Live-Band. Das war auch ein Flash und das hat auch nichts mit dem Alter zu tun, weil Dynamiken kann man ja auch wahrnehmen, ohne dabei durchzudrehen.

Also bist du tatsächlich von allem ein bisschen??

Genau, das ist alles mein Charakter, eine große Bandbreite. Wer sich meine Alben anhört, der wird hören, dass ich immer versuche, alle Facetten umzusetzen, gerade bei ‘Dumm Aber Schlau’. Das sind natürlich wahnsinnig viele, aber alle ein Teil von mir. Ich bin als Einzelgänger aufgewachsen und hatte es dann mit vielen verschiedenen Menschen zu tun. Ich habe mich nie verstellt, aber immer versucht, verschiedene Zugänge zu bekommen, über Humor beispielsweise. Es gibt überall coole und beschissene Menschen und man sollte sich nicht von einem bestimmten Look oder Umfeld abhängig machen. Das war doch ein gutes Schlusswort, oder?! (lacht)