Coldplay – Parachutes

Wer??

1996 lernten sich die damals noch gänzlich unbekannten Studenten Chris Martin und Jonny Buckland am University College in London kennen. Will Champion und Guy Berryman stießen nach und nach dazu und nach ersten musikalischen Schritten, zunächst unter dem Namen Starfish, gründete das Quartett letztlich die Band Coldplay – eine der weltweit erfolgreichsten Bands der Neuzeit.

Was??

Vor dem Auftritt in der Halbzeitpause des Super Bowls, vor ausverkauften Stadiontouren und lange vor den regelmäßigen Klatsch und Tratsch-Überschriften in diversen Boulevardzeitschriften waren da nur diese vier jungen Männer und ganz viel Melancholie. Das Debütalbum Parachutes erschien am 10. Juli 2000 und erinnerte in seiner einfachen Genialität an die frühen Radiohead.

Warum??

Über Parachutes könnte ich seitenweise Attribute aufzählen und würde trotzdem nicht ausreichend beschreiben, was dieses Album in mir auslöst und damals für mich bedeutet hat. Damals ging es noch nicht um Stadionhymnen, um sozialkritische Texte oder ausgetüftelte Konzeptalben. Vielmehr hört man einen nachdenklich reflektierenden Chris Martin, der tief traurig über zerflossene Beziehungen singt. Die simpelsten Arrangements, ein Piano hier, eine Akustikgitarre da, treffen besonders Tief ins Mark. Nun war ich mitten in der Pubertät und damit eh schon empfänglich für derlei Musik, doch auch heute schaltet sich für mich eine Weile der Alltag aus, wenn ich Parachutes abspiele. So simpel wie genial ist auch das Plattencover: Ein in letzter Minute gekaufter Globus mit Leuchtfunktion wurde mit dem eigenen Fotoapparat abgelichtet, nachdem die Band sich gegen die eigentlich geplanten (und wesentlich teurer arrangierten) Gruppenfotos entschieden hatte.

Allein der Eröffnungstrack ‘Don’t Panic’ ist so wunderschön, dass sich mir die Frage stellt: Wen lässt diese Musik kalt?! Oder ‘Spies’ mit seinem großartigen Finale und dieser bittersüßen Traurigkeit, die mich auch siebzehn Jahre später noch in seine Tiefen reißt. Und in dieser Tiefe umgarnt dann ‘Trouble’, das für sich allein schon ein Meisterwerk darstellt. Mindestens genauso genial wie die Eröffnung ist auch das Finale mit dem, ach man, wie kann ich ‘Everything’s Not Lost umschreiben ohne, dass es zu kitschig klingt?! Perfekt. Dieser Song ist einfach perfekt und auch der anschließende, versteckte Track ‘Life Is For Living’ fügt sich geschmeidig in die Abschlussszenerie ein und bildet einen Runden Abgang, der trotz der traurigen Grundstimmung einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft wirft.

‘Parachutes’ gehört zu meinen absoluten Lieblingsalben und ich frage mich manchmal, was passiert wäre, wenn Coldplay kommerziell nicht so durch die Decke gegangen wären. Wenn sie nicht den gesamten Globus bereist hätten, nicht Hymnen für Stadien geschrieben hätten, sondern in Großbritannien geblieben wären und bei schlechtem Wetter traurige Lieder über ihr gewöhnliches Leben geschrieben hätten. Natürlich haben sie sich ihren Erfolg erarbeitet und verdient, aber leider ist für mich die Ehrlichkeit und das Gefühl in den letzten Jahren phasenweise auf der Strecke geblieben. Deshalb ist ‘Parachutes’ für mich immer die erste Wahl, wenn es um die Band-Diskographie geht – ein Album, das meiner Meinung nach, in jeden guten Haushalt gehört.