Childcare – Wabi-Sabi

Dass ich dieses Album mal in den Händen halten würde, hätte ich fast nicht mehr zu träumen gewagt. Schließlich befinden sich Songs auf Wabi-Sabi, die ich teilweise schon seit fünf Jahren kenne. Childcare war für mich bislang eine EP-Band und ich habe treu jeder Veröffentlichung entgegengefiebert. Ihr Debütalbum ist für mich deshalb ein halbes Best Of geworden. Völlig überraschend, dass es so homogen klingt, obwohl die Songs unterschiedlich alt sind.

Ein Grund dafür könnte sein, dass die älteren Nummern neu aufgenommen wurden. Ein weiterer, dass die Texte von Frontmann Ed Cares in all der Zeit nichts an Ironie und Bizarrem verloren haben. Die Band selbst hat die Veröffentlichung ihres ersten Albums ganz unter das Motto “Wohlbefinden ” gestellt. Zur Longplayer-Vorbestellung konnte man von Childcare durchgeführte Yoga-/Meditationseinheiten erwerben; es gab außerdem Duftkerzen oder auch Duft-Vinyls zu kaufen. Mit dieser neuen Darstellung konnte sich Schlagzeuger Glyn Daniels nicht mehr identifizieren und stieg kurz nach Veröffentlichung des Albums aus. Auf der aktuellen Tour nimmt David nun diese Position ein.

Auch ich bin mir noch immer nicht sicher, ob die Äsotherik Teil von Childcare bleiben oder nur mit diesem Album praktiziert wird. So überzeugend und konsequent Ed, Emma, Rich und David diesen Stiefel auch durchziehen, zur Musik und meinen bisherigen Live-Eindrücken der Band mag es nicht so recht passen. Eines ist aber klar: Childcare lassen sich einfach in keine Schublade stecken, weder mit ihrem Image, noch mit ihrer Musik. Sie grooven ungezwungen durch Pop-, Punk- und Indiesounds und was auf dem Album schon zum Nicken animiert, ist live ein echtes Brett. Childcare sind eine der Bands, bei denen mir unerklärlich ist, weshalb sie nicht viel erfolgreicher sind. Ohrwürmer wie ‘Omega Grey’ oder ‘Magazines’ würden jede junge Radioplaylist schmücken. Für die Produktion von Wabi-Sabi ist übrigens Ben Jackson verantwortlich, der mit Ed früher Teil von To Kill A King war. Durch die Neuaufnahmen älterer Songs entstehen keine harten Übergänge zwischen zwei Liedern, selbst Atemübungen wurden als Filler eingebaut. Hoffentlich ernten Childcare jetzt endlich den Erfolg, den sie schon so lange verdienen und wenn sie zu einer “Wellnessbehandlung” in Deutschland einladen, wäre ich dabei.