Bosse (Bremen)

Tatort: Kulturzentrum Schlachthof, Bremen
Zeitpunkt: 06. November 2018
Obwohl Bosse aus Braunschweig kommt, fühlt sich ein Konzert in Bremen immer wie ein Heimspiel an. Besonders, wenn es im Schlachthof stattfindet und diesen nennt Bosse an diesem Abend sogar den besten Club des Landes. Aber auch das Publikum hält mit Liebesbekundungen nicht hinterm Berg: Es wird ausgelassen getanzt und so laut gesungen, dass sich eigentlich permanent Gänsehaut einstellt.
 
Mit im Gepäck hat Bosse nicht nur Songs aus seinem neuen Album ‚Alles Ist Jetzt‘, sondern auch eine fabelhafte Supportband namens Lejo. Axel „Aki“ Bosse lässt es sich nicht nehmen, die junge Band selbst anzukündigen und erzählt, dass es der erst siebte Auftritt überhaupt für Lejo sei. Das finde ich erstaunlich, denn sobald das Quartett aus Hamburg beginnt zu spielen, wirkt es routiniert und gelassen. Schöne Popmelodien und smarte Texte bringen mich zum ersten Mal an diesem Dienstagabend zum Mitwippen und ich werde gut vorgewärmt für den Hauptact.
 
Als die Band des Braunschweigers die Bühne betritt, bricht ohrenbetäubender Jubel los und ab dem ersten gesungenen Ton von ‚Wanderer‘ tanzt Bosse los wie ein Duracell-Häschen. Ab da schaue ich nur noch in strahlende und verschwitzte Gesichter. Neben Songs aus dem aktuellen Album werden, zu meiner großen Freude, an diesem Abend auch viele ältere Klassiker gespielt: ‚Du Federst‘ zum Beispiel erinnert mich immer an das Freiluft-Tanzen im Sonnenschein beim Deichbrand-Festival, bei dem Bosse ebenfalls regelmäßig spielt.
 
Besonders schön ist, dass Aki selbst jeden Song so feiert, ohne dabei arrogant zu wirken. Er lässt die Zuschauer einen Blick in die Entstehungsphasen der Lieder werfen und wird nicht müde, seine Dankbarkeit und Liebe dem Bremer Publikum mitzuteilen. Die sind aber eh alle chronisch verliebt und feiern jede Sekunde des Konzerts ab, Mann wie Frau – Junge wie Mädchen. Tatsächlich sehe ich einige Familien, die die neue Fan-Generation mitgebracht hat und auch bei den kleinsten Besuchern herrscht bemerkenswerte Textsicherheit.
 
Als Bosse während der Zugabe über Toleranz der Menschen und Akzeptanz aller Kulturen spricht, rufen spontan einige Zuschauer ihren Songwunsch: ‚Istanbul‘. Der Song steht aber gar nicht auf der Setlist. Und eigentlich war Aki’s Monolog die Ankündigung für ‚Hallo Hometown‘. Das wird dann auch gespielt. Aber er berücksichtigt die Zurufe und nach einer kurzen Abfrage bei seiner Band, ob diese so spontan ‚Istanbul‘ spielen könne, wird der Song vorgetragen.
 
Dieser gesamte Abend lässt bei mir ein Gefühl der inneren Zufriedenheit zurück:  Ich bin positiv ausgepowert und mir schwirren noch so viele schöne durchlebte Momente durch den Kopf. In einem Club zu sein, der gefüllt ist mit Menschen, die ähnlich ticken und die ausgelassen die Musik und das Leben feiern können, das macht mich dankbar. Und so kann ich abschließend sagen: Bosse, komm bitte bald wieder nach Hause zu uns.
Setlist:
Wanderer
Alles Ist Jetzt
Du Ferderst
Dein Hurra
Robert de Niro
Die Nacht
Tanz Mit Mir
So Oder So
Roboterbeine
Ich Warte Auf Dich
Kraniche
Augen Zu, Musik An
Die Befreiung
Schönste Zeit
Vier Leben
Ich Bereue Nichts
Hallo Hometown
Istanbul
Frankfurt Oder