Beatsteaks – Yours

Nun steht die Veröffentlichung des mittlerweile achten Beatsteaks-Albums kurz bevor. Dafür gebührt der Band schon einmal der größte Respekt. Die Berliner, die sich zunächst den Ruf als großartige Anheizer-Vorband erspielte, feilte immer präzisier am heute typischen Beatsteaks-Sound. ‘Smack Smash’ brachte dann auch kommerziell den großen Durchbruch. Dieses, wie auch alle darauf folgenden Alben höre ich bis heute rauf und runter. Nun durfte ich vorab in ‘Yours’ reinhören und habe das Gefühl, hier ist vieles anders geworden. Ich benötige zum ersten Mal mehrere Anläufe, um mich in das Album einzuhören und das liegt nicht nur daran, dass es ganze 21 Songs drauf geschafft haben. Nach wie vor tue ich mich schwer mit dem französischen ‘Velosolex’, auch wenn Sängerin und Produzentin des Songs Françoise Cactus (‘Stereo Total) authentisch, weil Muttersprachlerin, den Text ins Mikrofon haucht.

Wo wir schon über Kollaborationen reden, auch davon gibt es auf ‘Yours’ so einige, manche nahe liegend, andere überraschend. Farin Urlaub beispielsweise ist mittlerweile ein Freund geworden. Beim Duett ‘Abbadu’ fühle ich mich eher an ‘Die Ärzte’ erinnert, das mag auch daran liegen, dass auf deutsch gesungen wird. Ebenso bei der für mich größten Überraschungsmischung: ‘L Auf Der Stirn’ mit den Hamburgern von ‘Deichkind’. Zwei an sich völlig unterschiedlich Genre treffen da aufeinander und kreieren einen Sound, der weder wie die einen, noch wie die anderen klingt, sondern einen ganz eigenen Stil hat.

Schon oft erwähnten die Beatsteaks ihre Verehrung für die kalifornische Punkband ‘ALL’; deren Sänger, Chad Price, gibt sich beim Song ‘You In Your Memories’ die Ehre. Der britische Musiker Jamie T spielte vor zehn Jahren im Vorprogramm der Beatsteaks und auch er hat mit der Band an einem Song herum gebastelt: ‘Hate To Love’ und wie ich finde, damit das beste Duett des Albums beigesteuert.

Auch bei der Produktion haben sie, neben dem Haus- und Hofproduzenten Moses Schneider, verschiedenste Künstler an die Regler gelassen. ‘Stereo Total’ erwähnte ich bereits, das Dreiergestirn ‘The Krauts’ und Pierre Baigorry, besser bekannt als ‘Peter Fox’ – bei ‘Filthy Crimes’ hört man auf jeden Fall, dass er seine Finger im Spiel hatte.

Die Band selbst beschrieb den Charakter von ‘Yours’ ähnlich einem Mixtape, so unterschiedliche Genre werden bedient und die Beatsteaks toben sich aus wie auf einer Spielwiese. Generell finde ich es mutig, als gestandene Band mit musikalischem Schwerpunkt Rock aus seiner Komfortzone zu kommen. Und ich verstehe auch, dass man nach über 20 Jahren frei von Vorgaben drauf los spielen und in alle Richtungen experimentieren möchte. Das recht elektronische ‘Come On And Get Some’ ist sogar mein Lieblingssong auf ‘Yours’ geworden. Insgesamt fühl ich mich aber, Stand heute, ein bisschen überfordert. Neben klassischen Beatsteaks-Songs wie ‘Break Down’ oder ‘Fever’ denke ich, dass ich wieder klarer sehe, ehe ich vom nächsten Genrestrudel mitgerissen werde.