Beatsteaks (Magdeburg)

Die Beatsteaks sind immer wieder eine Reise wert. Erst recht, wenn sie nach Magdeburg –in meine alte Heimat- kommen. Das letzte Live-Erlebnis liegt schon zwei Jahre zurück; beim Deichbrand-Festival gehörte ich zu den Glücklichen, die den ‘Two Drummer Summer’ live erleben durften, bevor die Beatsteaks nach dem Unfall von Schlagzeuger Thomas Götz eine Zwangspause einlegen mussten. An diesem Abend bin ich deshalb sehr gespannt, ob ich wieder so ein kraftvolles Konzert erleben kann wie im Sommer vor zwei Jahren. Ich nutze die Wartezeit und schaue mich am Merchandise-Stand um, den ich beeindruckend finde: Eine solch große Auswahl an T-Shirts und Pullovern hab ich bislang bei noch keiner anderen Band gesehen. Zumal es Alles in Frauen- und Männergrößen gibt. Ich werde schnell fündig und bahne mir mit neuem rotem Shirt im Gepäck den Weg zurück zu meinem Platz; dort angekommen, erlischen auch schon kurze Zeit später die alten Lampen der Stadthalle und vier junge Wiener betreten die Bühne.

Sie haben gerade einmal zehn Sekunden gespielt, da schaue ich erschrocken meinen Bruder an, der schon hektisch nach Taschentüchern sucht, die er sich in die Ohren stopfen kann. Ich tue es ihm gleich, denn die Bassdrum droht uns an die entgegenliegende Wand zu drücken, der ganze Oberkörper dröhnt erst als wir unsere Ohren vom größten Druck geschützt wissen, können wir uns auch auf den Rest der Band konzentrieren. Das große Plakat hinter ihnen verrät schon mal den Namen: Bilderbuch. Was für Geschichten der blonde Frontmann erzählt, kann ich nicht sagen, denn durch den viel zu lauten Bass werden die meisten Worte geschluckt. In den Pausen richtet er aber freundliche Worte an das Magdeburger Publikum und verspricht eine Wiederkehr in die Elbe-Stadt.. Der Gitarrist scheint auf einer anderen Ebene zu spielen, er merkt auch nicht, wann ein Gitarrenwechsel ansteht, der Roadie muss ihm das neue Instrument direkt in die Hände drücken, damit es weitergehen kann. Auch tanzt er wie auf mystischen Ebenen, es ist auf jeden Fall ein unterhaltsames Schauspiel. Mehr kann ich leider nicht zum Vorprogramm sagen, nur dass ich erleichtert bin, als der letzte Ton verklingt und mein Herz aufhört zu vibrieren.


Das Bühnenbild kurz vor Beginn der Hauptakteure ist durch und durch aufgeräumt. Verstärker, Schlagzeug und Percussion-Ausrüstung stehen in einer Linie nebeneinander, nur die kleinen Creepy-Accessoires (Grusel-Katze, Fledermaus und Co.) erklären, weshalb es sich um die Creep Magnet-Tour handelt. Als um 21:15 Uhr erneut die Lichter aussgehen und kurz darauf Arnim Teutoburg-Weiß auf die Bühne kommt, erschallt ein etwas überraschter Applaus. Dass der Frontmann als Erster die auftaucht, hätte wohl niemand gedacht. Doch als Arnim die Zuschauer anstachelt lauter zu klatschen, bricht der erste tosende Applaus los und ab da gibt es kein Halten mehr. Nach und nach treffen auch die anderen Beatsteaks ein und Jeder wird gebührend empfangen. Schon nach der Hälfte von ‘As I Please’ dreht sich Arnim das erste Mal um zu seinen Kollegen und grinst, weil bereits da völlig klar ist, dass es ein grandioser Abend werden wird. Von da an wird gesprungen, gesungen, gerufen, getanzt, geschwitzt und gelacht – Alles mit G. G wie genial.

Es passiert nicht oft, aber es gibt diese Konzerte, bei denen Band und Publikum eine Einheit werden, bei dem der Funke überspringt, der bis zum letzten Ton glüht. Ich bin überwältigt von der Textsicherheit aller Anwesenden. Sowohl Hits wie ‘I Don’t Care As Long As You Sing’ oder ‘Summer’, als auch die neuen Stücke vom siebten Studioalbum wie ‘Everything Went Black’ oder ‘Up On The Roof’ werden gleichermaßen gefeiert. Wo man auf der Bühne auch hinschaut, alle fünf Männer haben ein breites Grinsen im Gesicht. Es gibt so viele Zugaben, dass erst nach guten zwei Stunden der letzte Ton verklungen ist. Ich bin froh, diese Reise auf mich genommen zu haben, denn es war wirklich magisch, oder wie Arnim an diesem Abend mehrmals zu Protokoll bringt: ‘Machdeburg, ick bin verliebt.’

Setlist:

Up On The Roof
As I Please
Monster
Cheap Comments
Everything Went Black
Jane Became Insane
A Real Paradise
Summer
Gentleman Of The Year
Milk & Honey

DNA
Let Me In
SaySaySay
Demons Galore
Pass The Message
Beast Of Burden (Rolling Stones Cover)
Creep Magnet
Hello Joe
Hand In Hand
Under A Clear Blue Sky
Cut Off The Top
Automatic
Hey Du (Linie 1 Cover)
Frieda Und Die Bombem (Fu Manchu Cover)
I Don’t Care As Long As You Sing
To Be Strong
I Never Was
So Lonely (The Police Cover)
Atomic Love