Banks – The Altar

Lange habe ich darauf gewartet, jetzt meldet sich die ‘Goddess’ alias Jillian Rose Banks zurück mit ihrem zweiten Longplayer ‘The Altar’. Kaum ein Album hat mich in 2014 so vom Hocker gehauen, wie das Debut der jungen Amerikanerin. Derart clever produziert und brilliant getextet hatte ich keine Chance und drückte immer wieder auf Repeat. Es erscheint fast schon unverschämt, wie jemand in Banks’ Alter so durchdachte und zeitlose Musik kreieren kann, die leicht und ungezwungen klingt, aber dennoch voller Tiefe steckt.

Schaut man auf Banks’ Biographie, so findet man schnell Erklärungen, weshalb ihr Sound oft melancholiegetränkt anmutet. Als ihre Eltern sich scheiden lassen, beginnt sie mit dem Songschreiben, zudem bringt sich selbst das Klavierspielen bei. Außerdem quälen sie immer wiederkehrende Depressionsschübe, die sich wie ein dunkler Schleier über ihre Kompositionen ziehen.

Bereits bei ‘Goddess’ spürte man beinah schmerzlich, wie ehrlich und offen Banks über ihr Leben schreibt. Infolge dessen hat sie zunächst Probleme damit, vor Zuschauern ‘blank’ zu ziehen und ihre Musik und damit persönlichsten Geschichten zu präsentieren. Doch wer denkt, dass ‘The Altar’ deshalb abgestumpfter oder oberflächlicher ausfällt, der hat weit gefehlt. Viel mehr taucht man noch tiefer in den inneren Zwist ein, den Banks mit sich selbst führt. Einerseits ist sie die junge Erwachsene, die voller Selbstbewusstsein ihre Umwelt analysiert und sich in ihrem Körper wohl fühlt, die über das bittersüße Gefühl singt, jemandem nahe sein zu wollen beziehungsweise auch darüber, gestärkt aus einer beendeten Beziehung heraus gekommen zu sein. (‘Gemini Feed’, ‘Fuck With Myself’). Und dann sind da diese Selbstzweifel, die detaillierten Beobachtungen der Menschen und das Deuten ihrer Gesten als Antipathie gegen sie (‘Mind Games’). Dabei klingt Banks tougher und cooler als Rihanna (‘Trainwreck’) und bringt mit ihrer brillianten Produktion erneut die Bässe zum Wummern und den Kopf zum Nicken. Wie ein Paradoxon löst sie in mir als Hörer unterschiedliche Bedürfnisse aus. Zum Einen möchte man mit dieser toughen und klugen Frau Zeit verbringen, ihr an den Lippen hängen und ihre wunderschöne Sprache aufsaugen. Und zeitgleich möchte man sie sich schnappen, mit ihr Eis essen gehen, sie zum Lachen bringen und damit Farbe auf ihre graue Leinwand bringen.

Und wo ich schon beim Paradoxon bin: So sehr ich mir auch wünsche, dass die private Banks ihr Glück findet und von diesen düsteren Gedanken loskommt, so sind es ja gerade eben diese, die das Songwriting und den besonderen Klang ihrer Musik ausmachen. ‘The Altar’ ist die perfekte Fortsetzung von ‘Goddess’, beides Alben, die in die dunklen Jahreszeiten gehören. Songs wie ‘Poltergeist’ laden geradezu ein, mit ihnen laut aufgedreht durch die Nacht zu cruisen. Überhaupt stellt sich mir die Frage, wieso Banks eigentlich immer im Dunkeln am intensivsten wirkt. Ich finde es jedenfalls spannend ihre Reise begleiten zu dürfen, ihre Entwicklungen zu hören, beispielsweise bei ‘Mother Earth’ klingt Banks so rauchig heiser, wie nie zuvor.