Abramowicz

Schön, dass ihr so spontan für Tequila And The Sunrise Gang einspringen konntet. Wie war euer Festivalsommer bislang, was waren eure Highlights??

Nils: Also, wir haben natürlich viele schöne Festivals gespielt, aber es waren weniger als noch im Vorjahr. Und ich fand besonders cool Bremen, die Breminale, weil wir das erste Mal in einem Zirkuszelt gespielt haben, das fand ich klasse.

Niki: Ich würde auch sagen, die Breminale war ziemlich fett. Durch diese Zirkuszeltatmosphäre ist es auch scheißegal, ob es mal regnet und ein weiteres großes Plus war auch, dass es bei uns auch noch gut gefüllt war. Die Leute können ja auch einfach nur am Deich lang laufen und sich anderes Zeug reinziehen. Das Konzept ist einfach klasse, dass es umsonst ist. Man kann da spielen und in diesem Zirkuszelt entsteht ganz schnell eine intime Atmosphäre, dadurch, dass es immer dunkel ist. Du siehst die Lichtshow auch am Tag, das ist auch ziemlich cool.

Und richtig gut war auch noch das Wutzrock, das ist auch ein Umsonst- und Draußenfestival. Das war mit Liebe organisiert, das gibt es auch schon seit 30 Jahren, da arbeiten ganz viele Leute, die wir kennen und das war richtig schön. Auch, wenn das Wetter nicht so gut war, aber das ist in diesem Sommer einfach so.

Nils: Bingen fand ich sehr gut, muss ich sagen. Das ist bei Mainz und da sind wir einen Berg hoch gefahren und das Genialste war, dass wir nach dem Konzert noch richtig weit zum Hotel fahren. Und die Veranstalter hatten aber zwei Fahrer, die sowohl unseren, als auch ihren eigenen Bus gefahren haben um wieder zum Festival zurück zu kommen, nachdem sie uns ins Hotel gebracht hatten. Das war das Beste, was ich je erlebt habe.

Niki: Ich habe sogar noch zwei Buddeln Wein geschenkt bekommen von dem Berg, auf dem wir gespielt haben, das war auch richtig geil.

Finn: Das war eine der besten Busfahrten überhaupt. Da wurden Lieder gesungen, die wir jetzt hier nicht nennen. (alle lachen)

Rock, Indie, Punk – in eurer Musik gibt es viele Stile und Richtungen zu erkennen?? Wie würdet ihr eure Musik selbst beschreiben und wer beeinflusst euch künstlerisch am meisten oder kann als Inspiration genannt werden??

Niki: Das ist immer eine sehr umstrittene Frage bei uns in der Band. Wir hören nämlich alle recht unterschiedliche Musik. Es gibt ein paar Sachen, auf die wir uns schon einigen können, aber dem Ganzen jetzt einen bestimmten Stil oder Namen zu geben, fällt uns immer schwer, weil wir uns von Vornherein nie die Gedanken machen, wie es am Ende klingen soll. Wenn uns gefällt, wie ein Lied klingt, dann ist es gut und wenn nicht, dann lassen wir es liegen. Aber unsere Einflüsse kommen sicherlich von der Musik, die jeder für sich individuell hört. Und das ist Rockmusik, bei mir kommt von früher noch Punk dazu, jetzt höre ich eher poppige Sachen. Nils hört momentan sehr viel amerikanischen und deutschen Hip Hop. Das ist bei uns also ganz schön wild zusammen gewürfelt und am Ende kommt eben unsere Musik dabei raus, weil wir finden, dass die gut so ist. Wir haben Bock, diese Musik zu spielen und wir wollen nicht wie jemand klingen, den wir hören. Und stilistisch würde ich doch sagen: Wir spielen Rockmusik.

Eine Vinyl, eine EP – wann kommt ein Album, habt ihr Pläne, seid ihr vielleicht schon in der Produktion??

Nils: Das würdest du wohl gerne wissen…(alle lachen) Wir sind tatsächlich gerade dabei. Wir haben eben auch schon vier neue Songs gespielt, wir sind gerade dabei, neue Songs zu schreiben. Da sind welche dabei, wir machen uns da aber nicht den großen Druck. Der Druck kommt eher von außen die ganze Zeit.

Sascha: Durch solche Fragen!! (alle lachen)

Nils: Was aber auch total gut ist, weil wir da total Bock drauf haben, endlich mal ein Album zu machen. Wir sind da auf jeden Fall dran, können aber noch kein genaues Datum sagen. Aber wenn wir das wissen, dann erfahrt ihr es als Erstes!!

Das haben wir jetzt schwarz auf weiß. Und wenn wir bis nächstes Jahr nichts vermelden können, dann ist aber was los!! So, jetzt habt ihr Druck!!

Sascha: Scheiße!! (alle lachen)

Stimmt es, dass ihr auf Festivals besonders gern spielt, weil ihr Menschen eure Musik vorstellen könnt, die euch bislang noch nicht kannten oder spielt ihr doch gern eigene Clubkonzerte, bei denen dann die Stimmung vielleicht ganz anders ist??

Finn: Es ist Beides ganz unterschiedlich, hat aber auch jeweils seinen Charme, da habt ihr schon recht. Aber jede Show hat ihren eigenen Reiz und für uns ist es wichtig, dass die Leute Bock auf das haben, was wir auf der Bühne machen und das langt dann. Und dann ist es uns egal, in welchem Rahmen das Ganze sattfindet.

Niki: Ich muss ganz ehrlich sagen, ich mag Festivalshows lieber als Clubshows, weil man im Freien spielt und ich hab so’n richtig krasses Transpirationsverhalten. Und wenn wir in Clubs spielen, dann sind auf der Bühne, ungelogen, mindestens 50°. Und selbst hier tropfe ich schon die ganze Bühne voll und da waren 18°, draußen und eine leichte Brise weht. Um meinen Wasserhaushalt nicht ganz so doll zu überlasten, bevorzuge ich halt Festivals. (alle lachen)

Sascha: Ich finde beide Varianten sehr gut, aber Festivals sind vielleicht noch einen Tacken besser, weil auf den meisten Festivals spielen Bands, die man sich auch gerne angucken will. Wie zum Beispiel heute ‘Lygo’, ‘Kolari’, ‘Turbostaat’…(Nils zählt noch fast das gesamte Line-up auf)

Sascha: ALLE, ALLEEEE. Und auch die Rolling Stones. (alle lachen)

Auf dem Oakfield Festival spielen neben euch auch viele weitere Künstler aus Hamburg bzw. den Städten im Norden. Würdet ihr gern mal mit jemanden zusammen arbeiten oder gibt es Kollegen, die ihr selbst unheimlich mögt??

Sascha: Ich würde total gern mal was zusammen mit ‘Robinson Krause’, weil das die beste Deutschpunkband der Welt ist.

Nils: Boah, ich finde, es gibt halt immer mal wieder Bands, die mich irgendwie beeindrucken. So wie die ‘Leoniden’ zum Beispiel, die kommen zwar jetzt nicht aus Hamburg, aber aus dem Dunstkreis Norddeutschland. Mit denen sind wir auch recht gut befreundet. Das was ‘Kolari’ machen, ist zwar überhaupt nicht unsere Mucke, würde man wahrscheinlich auch schwer zusammen packen können. Aber was die machen, finde ich total beeindruckend. Und ich bin immer gespannt, was kommt. Aber das wechselt auch oft, es gibt immer mal Bands bei denen wir denken, da müsste man mal was machen. Aber letzten Endes muss auch jede Band gucken, das sie ihren eigenen Weg geht.

Wir hatten vorhin auch mit den ‘Mighty Day Times’ das Thema, dass es schwer ist, in eurem Genre eine Art Sezene zu bilden, in der sich die Künstler auch gegenseitig unterstützen, wie man es vielleicht vom Hamburger oder Stuttgarter Hip Hop kennt. In Hamburg gibt es ja viel Rock/Indie, erlebt ihr das anders, baut sich da was auf??

Niki: Ich würde da gern was zu sagen. Ich bin der Meinung, dass es so eine Szene gibt, innerhalb der man sich auch recht schnell einen Namen machen kann, indem man ein, zwei Auftritte spielt in Hamburg wie zum Beispiel in der Astra Stube oder auch in der Pooca Bar. Und relativ schnell hat man dann Leute, die oft zu Konzerten gehen und die kannte man dann halt und die haben dann selbst manchmal kleine Konzerte veranstaltet. Und man kannte dann relativ schnell auch die Besitzer der Läden, zum Beispiel vom Molotow. Und so konnten wir recht schnell als Vorband irgendwo einspringen. Insofern glaube ich schon an diese Szene, in der du dich als kleine Band auf jeden Fall rasch etablieren kannst. Und da wird sich dann auch mega doll geholfen gegenseitig. Wir kennen auch viele Bands, von denen wir sehr viel gelernt haben, mit denen wir oft spielen durften. Und mit denen durften wir auch mit Tour fahren. Das war wie eine Musikerfamilie, die sich gegenseitig unter die Arme gegriffen hat. Unsere ersten Touren haben wir mit schwedischen und holländischen Bands gemacht, die uns mega viel gezeigt haben und ich würde schon sagen, dass das eine „szenige“ Angelegenheit war. Ich glaube nicht, dass der Hip Hop subkulturell der Rockmusik da irgendwas voraus hat. Ich denke eher, dass es in Sachen Clubs und Konzertbesuche sehr ab geht.

Finn: Ich würde dazu noch gerne einen Einschub geben. Ich glaube, dass man die Kompetenz zum musikinteressierten Individuum an sich weitergeben kann. Denn je mehr Leute auf Konzerte gehen, desto mehr Szene gibt es. Und genau das sollte das Ziel sein, dass es mehr Musik gibt, mehr kleine Läden und das geht nur, wenn jeder Einzelne mehr Konzerte besucht.

Kurzfragen:

Bester Festival-Song??

Sascha: Als ich damals noch auf Festivals als Besucher gegangen bin – heute mache ich das nicht mehr, weil ich Zelten hasse wie die Pest – aber damals war mein Festival-Song immer: ‘Heute schütte ich mich zu’ von ‘Karl Dall’.

(alle lachen)

Niki: Ähnliche Situation, ähnliches Setting. Ich auf dem Campingplatz, ich hatte eine Box dabei und wie das dann beim ersten Festival so ist: Man denkt, man muss den ganzen Tag nur einen Song laufen lassen, weil das mega cool ist. Und bei mir war es immer ‘Delmenhorst’ von ‘Element Of Crime’.

(Alle: ‘AAAAAW!!’ Spontan bricht zustimmender/anerkennender Applaus aus.)

Niki: Ich war auf dem ‘Stoned From The Underground’, so ein Stoner-Rock-Festival bei Erfurt. Und da habe ich das Tag und Nacht gehört und alle haben’s mega gefeiert und ich auch und deshalb ist das der Festival-Song meines Lebens. Vielen Dank, Sven Regener.

Ritual vor dem Auftritt??

Sascha: Wir haben ein Ritual. Wir trinken vorher einen Wodka. Heute war es Korn, was auch voll in Ordnung ist. Also, ein Schnäppi kurz vor dem Auftritt, dann bilden wir einen Kreis, umarmen uns und dann sagen wir: ‘Eins, zwei, drei, Oberkörper frei’ (lacht), nee, aber ‘Bangerang’.

Erste Lieblingsband/Lieblingskünstler??

Nils: Das erste richtige Ding, bei der ich zur Musik geführt wurde, war ‘Udo Lindenberg’.

(Schweigen im Walde)

Nils: Ja, also, erzählen wir jetzt was Cooles?!

(alle: ‘Nein, peinlich!!’)

Nils: Alles klar, dann waren es ganz klar die ‘Backstreet Boys’. Von denen hatte ich auf jeden Fall ein Poster an der Wand. Und auch von ‘Emilia’. Von ‘Big Big World’ hatte ich sogar die Maxi-CD, die gab es bei famila.

(alle lachen)

Finn: Ich habe mehrere Maxi-CD’s zu Anfang bekommen, aber die, die ich am meisten gehört habe, war von ‘Eiffel 65 – Blue’. Von denen habe ich mir tatsächlich sogar das Album gekauft, das war aber genauso beschissen wie die Maxi-CD. Und dann natürlich noch ‘Baha Men – Who Let The Dogs Out’, was ich auch heute noch immer gern höre.

Niki: Das, was ich als Erstes gehört habe, war ‘Blink 182 – All The Small Things’. Die Maxi-CD hatte sich mein Bruder gekauft. Und dann noch ‘Deluxe Soundsystem’ von ‘Dynamite Deluxe’.

Das war aber doch schon recht spät!?

Niki: Ich bin 92’er Jahrgang. Davor hab ich nur ‘Benjamin Blümchen’ und ‘???’ gehört.

Sascha: Das muss man vielleicht auch mal sagen, dass der Altersunterschied in dieser Band sehr groß ist.

Wie groß??

Sascha: Wie alt bist du??

Niki: 25. Du bist 30, das ist doch gar nicht so ein großer Unterschied.

Sascha: Ich bin 31!!

Niki: Du bist 31?? Ach du Scheiße!!

Ach du Scheiße, Kündigungsgrund!!

(alle lachen)

Beste Musik für lange Autofahrten??

Sascha: Immer der, der vorne sitzt, macht Musik an. Und das ist immer unterschiedlich. Heute haben wir ‘Twopointeight’ gehört, großartige Band. Manchmal hören wir das neue Album von den ‘Gorillaz’, manchmal hören wir das neue Album von ‘Haftbefehl’. Es ist also komplett verschieden, manchmal hören wir auch einfach Radio.

Finn: Wir hatten ab und zu auch das Glück, an einen Tourbus zu kommen, in dem es einen Fernseher gibt und das Beste, was man dann machen kann, sich Folgen von ‘Kochen mit Martina und Moritz’ anzusehen.

Das gucken meine Eltern aber auch gerne.

Finn: Ich guck das ernsthaft auch sehr gerne. Und die beste Folge ist die, in der sie Pizza backen und er nimmt ‘nen Wok um die Pizza auch von oben richtig kross zu kriegen.

Sascha: Die beste Folge ist, ach nee, das war ‘Alfredissimo’, das haben wir auch mal geguckt. Mit ‘Helmut Berger’, da machen die ‘Spaghtetti Vongole’, das war die beste Folge aller Zeiten.

(alle lachen)

Neuentdeckung des Jahres??

Nils: Ich hab eine, für mich sind das ‘Stumbling Pins’ aus Kiel, haben sich letze Woche aufgelöst.

(alle lachen)

Nils: Naja, die gab’s aber auch nur die Zeit. Ich finde das Album richtig geil, aber leider haben die sich wieder aufgelöst, aber das war meine Neuentdeckung.

Niki: Die Band ist zwar überhaupt nicht neu, aber in Deutschland nicht erfolgreich. Die heißen ‘DMA’s’, kommen aus Australien, ich finde die super geil. Nils hat die kürzlich beim ‘Deichbrand’ gesehen und da waren nur drei Leute vor der Bühne. In UK und halt Australien füllen die Hallen und das ist irgendwie bescheuert, dass die hier nicht groß werden. (zeigt auf Nils) Du meintest, das wären Melodien für Millionen und das sehe ich halt auch so. Das ist eine total geile Pop-Rock-Band, die mich derbe an ‘Oasis’ erinnert, dabei aber mit einem coolen, neuen Einfluss.

Sascha: ‘Benjamin Booker’, das ist zwar kein neuer Act, der hat schon zwei Alben draußen und das zweite Album ist mega geil. Und ich glaube, der tourt auch hier noch ein bisschen rum dieses Jahr. Und wenn, dann geht da unbedingt hin, weil das ist ein großartiger Künstler. Der hat ‘ne geile Band, geile Songs, Ohrwürmer ohne Ende. ‘Witness’ heißt das neue Album, großartig. Finn mal??

Finn: Ich bin beruflich seit April ganz woanders und deswegen bin ich so völlig raus aus diesem ganzen Musikkram.

Nils: Hast du dann vielleicht einen Hörbuch-Tipp??

Finn: Ja, das stimmt. Zum Schluss hab ich von ‘John Katzenbach – Der Patient’ und ich muss dazu sagen: Ich bin von Beruf Psychologe. Und das, was er da schreibt, ist völlig falsch. Deswegen ist es kein Tipp, aber das habe ich zuletzt gehört.

(alle lachen)